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27.Feb 2002

Die letzten drei Tage bei Lieferanten haben wieder gezeigt, wie schwierig es doch sein kann, Geschäfte in China zu machen. Dinge, die von Europa aus als "kein Problem" eingestuft bzw. gar nicht berücksichtigt werden, erweisen sich als unlösbare Barieren. So wenig das moderne Shanghai mit dem restlichen China zu tun hat, so wenig reicht es auch eine hightech Maschine in eine alte Fabrikhalle zu stellen, wenn das Bedienpersonal letzte Woche noch mit Ochsen den Acker bestellt haben. Das ist jetzt überhaupt nicht überheblich gemeint, sondern zeigt nur, dass sich nicht Menschen von heute auf morgen verändern. Anderseits spürt man hier einen so unglaublichen Willen etwas aufzbauen und zu leisten, dass man nur besorgt Richtung gesättigte, westliche Welt schauen kann. Was die Chinesen anpacken machen sie richitig und trotzdem braucht alles seine Zeit.
Fliege morgen Richtung Süden nach Guangzhou - freu mich schon aufs warme Wetter...


25.Feb

Musste heute schon und 5:30 aufstehen um das Flugzeug nach Ningbo zu erreichen. Der Liefernatenbesuch war sehr interssant und ich würde Euch ja gerne Bilder von Massenproduktion a la China zeigen, aber das könnte Ärger geben ( vergleichbare Bilder vom letzten November siehe unter Photos / Asien )
Darum dokumentiere ich hier lieber unser Abendessen, oder besser was unter Anderem davon auf meine Telle übrig geblieben ist ... lecker, lecker, Muscheln, Schnecken, Schrimps !

Ningbo hat übrigens 3 Mio Einwohner und ist trotz der Industrie (vorwiegend Textil- ) teils sehr ländlich.


24.Feb
Sonntag

Wollte heute eigentlich mal länger schlafen, nachdem ich gestern mit meinem Kollegen das Nachleben ausprobiert habe ( und die machen hier nicht wie in München um 1 Uhr dicht ...) , aber nachdem draussen so schön die Sonne scheint bin ich los, umetwas durhc Shanghai zu laufen. Auch Shoppen kann man den ganzen Sonntag ohne Probleme ...
Da ich ab morgen für die Firma durch China reise, werde ich wahrscheinlich die nächsten zwei Wochen keine Möglichkeit haben, dieses Tagebuch im Internet zu aktuallisieren - also dann bis 9.März ...


23.Feb

In Shanghai regnet es den ganzen Tag schon - ist super ekelhaft draussen - da setzte ich mich doch in ein Starbucks-Cafe und trinke einen Cappuchino mit Chocolate-Muffin... ok, schon besser ;-)
Die Chinesen sind bei schlechten Wetter sehr erfindungsreich - siehe rechts - Moped mit eingebauten Handschuhen ... wer braucht schon die BMW-Griffheizung ?


22.Feb

Nachdem das jetzt die erste "richtige" Arbeitswoche für mich war, sind die Einträge ins Tagebuch gleich magerer geworden - sorry. War die Woche mal im in einem grossen Buchladen (Hugendubel auf Chinesisch) und bin total begeistert und mit einigen Büchern wieder rausgegangen. Das waren natürlich nicht Nietsche auf Chinesisch, sondern eher die reichlich bebilderten, wie Fotobildbände, Zeichenkurse, Architektur- und Designführer! Die "13 1/2 Leben des Käptn Blaubär" hab ich übrigens vor zwei Wochen schon mal auf Chinesisch im Schaufenster gesehen - deutsche und englische Bücher und Zeitschriften dagegen noch nicht !!!


20.02.2002

   Die Arbeit hält mich gerade davon ab hier mehr zu schreiben - bin ja auch nicht zum Spass hier und die Firma will natürlich ihr Geld gut investiert sehen. Damit ich hier nicht total vom Schuss weg bin, lesen ich abends immer die Süddeutsche und den Spiegel per Internet - da steht dann etwas von Amokschützen in Freising und das Streiflich lehrt mich, dass das heutige Datum ein Palindrom ist, wie z.B. auch das „Maetressenhuhnesserteam“. Das erste interessiert leider in Shanghai nicht viele Leute, das Datum schon, weil die Chinesen sehr an symbolhafte Zahlen glauben und man aus dem Grund heute einige geschmückte Hochzeitswagen fahren sieht.


17.Februar

Heute Nacht hat es das erstemal seit ich hier bin geregnet.
Habe mir neulich schon Gedanken gemacht, wohin man hier gehen kann, wenn man mal genug von all den Leuten und der dichten Bebauung hat - etwas Natur halt. Die Frage hat sich heute zum Teil beantwortet, weil ich im Century Park in Pudong war. Der ist frisch angelegt worden, riesengross, aber auch noch etwas steril. Den Menschen entgeht man hier nur bedingt, aber man kann sich in die Wiese legen und sieht, wenn man Glück hat nur Bäume um sich herum... In der Mitte ist ein grosser, künstlicher See mit künstlichen Sandstrand und künstlichem Bachlauf - da haben die Chinesen wieder richtig geklotzt.

 

 Das muss man ihnen lassen, wenn sie etwas bauen, dann richtig grosszügig und in atemberaubender Geschwindigkeit. Da wird nicht lange diskutiert, mit Baustop, Bürgerbegehren usw. sondern einfach Bagger holen und weg mit dem alten Zeug - darum bekommen die hier jetzt auch den Transrapid ... ob das immer gut für Natur, Land, Volk und besonders für den Einzelnen ist bleibt mal dahingestellt. Bin schon ganz froh, dass man Deutschland mitreden darf und der Staat nicht Alles machen darf und kann.
Werde übrigens beginnen Chinesische Schilder zu sammeln / fotografieren, nachdem ich mich heute darüber wirklich amüsiert habe - das ist fast schon wieder Deutsch !



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