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23.Mai 2002

Es ist doch immer wieder faszinierend, wie stark man hier in Shanghai täglich die Aufbruchsstimmung und den Konsumrausch besonders der Jüngeren Chinesen spürt. Auch wenn ich viele, wirklich armen Viertel sehen konnte, habe ich teilweise das Gefühl, dass jemand wahllos Geld in der Stadt verteilt und das einzige Ziel ist, jetzt alles möglichst schnell wieder auf den Putz zu hauen ( auch wenn ich persönlich in den Exkommunistischen Kaufhäusern nix ansprechendes finde - siehe Bild links).

 

Ich glaube die Stimmung der Menschen ist in gewisser Weise mit den deutschen Nachkriegsjahren vergleichbar, in denen man den Traum vom besseren Leben und den Konsum über alle Gesellschaftsklassen entdeckte und man sich jetzt entdlich wieder mal was leisten konnte und wollte. Im Unterschied zu Deutschland beschränkt sich aber In China dieses schnelle Wachstum und der Reichtum auf die grossen Städte wie Shanghai, während die Genossen auf dem Land teilweise weiterhin von der Hand in den Mund leben müssen und sich die schöne, bunte, neue Warenwelt nicht leisten können. Ich persönlich habe den Verdacht, das das viele Geld, das in den Aufbau von Shanghai gepumpt wird eben in den armen Provinzen auf den Feldern und den trostlosen Fabrikhallen erwirtschaftet wird. Wenn das wirkich so ist, hoffe ich nur, dass die Fabrikarbeiter der maroden Staatsbetriebe nicht so schnell mitbekommen, welches Leben auf Ihre Kosten in Shanghai geführt wird - der bevorstehen Regierungswechsel könnte schon deshalb kritisch werden.


21.Mai

Gehe ich doch gerade in der Firma in die Teeküche um mir einen Kaffee zu holen, schwimmen zwei lebende Schildkröten im Spühlbecken ... ich hoffe da bereitet nicht gerade jemand sein MIttagessen vor !? In China ist alles möglich, aber ich denke das waren nur die Firmenhaustiere, die hier rmanchmal auf den Schreibtischen in Gläsern schwimmen ... sage bewusst nicht Aquarium, weil die Tiere wirklich nur in irgendeinem kleinen Behälter ohne den ganzen technischen Schnickschnack schwimmen.


19.Mai

Besuch aus Deutschland: Nachdem fast zwei Tage Shanghai auf dem Programm ihrer 14-Tage Chinarundreise standen, konnte ich mich mal wieder mit Silke aus München (Infineon) treffen. So ne Pauschalreise nach China - das währe nix für mich, mit lauter 60-Jährigen von einer Attraktion zur nächsten zu hetzen. Anderseits haben sie im Gegensatz zu mir jetzt schon Beijing, die grosse Mauer und die Tonkriegerarmee gesehen, bzw. auf Film gebannt - das wird bei mir noch etwas dauern, weil wir hier ja auch nicht so viel Urlaub und Feiertage wie in Deutschland haben ... so darf ich morgen, am Pfingstmontag arbeiten ...


15.Mai

Geschaft ... war die letzten 4 Wochen insgesamt nicht mal zwei Tage an meinem Schreibtisch gesessen, sonst immer auf Achse - jetzt reichts wieder. Leider hab ich wieder nicht viel von den schönen Städten westlich Shanghais gesehen, nur immer Sitzungszimmer, Fabrikhallen und Hotels ... naja, aber die Überlandfahrten in strömenden Regen haben zumindest gezeigt, dass es sich auf alle Fälle lohnt hier mal privat eine Ausflug zu machen.


12.Mai

Hurra die Sonne scheint ... schnell die Kamera gepackt und das Fahrrad geholt ... keine Zeit fürs Tagebuch ... Bilder folgen !


9.Mai

Gerade wenn man mehrere Tage für die Firma unterwegs ist, erhält man so viele neue Eindrücke über das Land, die Menschen und Ihr Leben. Trotzdem fällt es mit schwer das Alles hier zu beschreiben und leider ist es mir meist nicht möglich während all der Fahrten "übers Land" Fotos zu machen, weil einfach die Zeit fehlt. Einzig in den Fabriken gelingt es mir teilweise die Arbeitsverhältnisse der Chinesen zu dokumentieren, die sich zumindest in der Gegend um Shanghai die nächsten Jahre extrem verändern und hoffentlich verbessern werden. Man stellt schnell fest, dass sehr viele Betriebe gleich aussehen, weil sie ursprünglich Staatlich waren. Überall die Edelstahl-Ziehharmonika-Schiebetore mit Pförtner, grosses ISO 9000-Schild, dahinter "Badezimmer"-Architektur mit gefliesten Fasaden und blauen Standardsonneschutzfenster, die grün/roten Kunststein-Böden, steilen Treppenhäuser, die kleinen Holzschreibtische in grossen, kalten Büroräumen, die kleinen schmutzigen Toiletten, rostige Thermoskannen und grüner Tee in Pappbecher. Das muss man erlebt haben und lässt sich nicht einfach beschreiben - jeder der schon mal hier war, weiss was ich meine!


8.Mai

Bin gerade auf Businesstrip in Suzhou, Wuxi, Hanzhou ... eigentlich schöne Städte die in jedem ChinaReiseführer beschrieben sind, aber wenn man für die Firma unterwegs ist bekommt man davon bis auf die Hotel und guten Restaurants nicht viel mit. So waren wir gestern abend u.a. auf einem Boot im Taihhu Lake (Li Garden) Essen - underschöne Gegend (grün!). Stelle mir morgens immer schon früher den Wecker um mal einen Spaziergang zu unternehmen, aber das Wetter ist bisher wirklich mies, so dass ich es immer weider auf den nächsten Tag verschiebe und weiterschlafe.


4.Mai

Jetzt habe ich mir auch mal so einen Chinesischen Gartenzwerg für die Wohung gekauft ... sorry, das ist natürlich ein Krieger aus der berühmten Terrakotta-Armee von Qin Shi- wenn ich schon bisher keine Zeit hatte sie mir live anzusehen, dann zumindest eine touristischer Abguss. Kann mich ja sonst nicht so für den Chinesischen Geschmack insbesondere bzgl. Dekoration begeistern, weil für mich alles zu kitschig und verspielt wirkt, aber die Chinesen finden dagegen die Europäischen Dinge zu architektonisch (IKEA) und funktionell, ohne entsprechende Ausgeglichenheit (FENG SHUI). Anderseit sind die Antikmärkte eine Goldgrube bzgl. Gebrauchsgegenstände aus den 30iger Jahren wie z.B. alte Tischventilatoren. Da werde ich doch noch paarmal einkaufen gehen ;-) Höre bei solchen Gelegenheiten immer von den Chinesen ..."Harry, there something wrong with your eyes ..." soll heissen, ich hätte einen schlechten Geschmack. Anderseits wissen die Händler inzwischen sehr genau, was die dummen Langnasen kaufen wollen und schaffen tonnenweise die angeblich antiken Dinge herbei.


3.Mai

Nebel, Nebel, Nebel, das wirft natürlich kein besonderes Licht auf Shanghai, nicht zu vergessen die Menschenmassen, die die alle Ihren mehrtägigen 1.Mai-Urlaub geniessen und die Strassen bevölkern. Naja, aber so ist es nunmal und ich kann jetzt auch nix ändern. Vieleicht schien ja morgen die Sonne ... nur ganz kurz !


1.Mai

Heute morgen sind meine Eltern hier für ein paar Tage in Shanghai gelandet. Jetzt hab ich natürlich die Gelegenheit mit als grosser Shanghai Reiseführer zu betätigen und muss Euch sagen, das ist ganz schön anstrengend ! Andersteits wird einem dann erst bewusst, was man schon alles hier kennt, besonders weil ich mir die letzten Tage schon Gedanken gemacht habe, dass ich jetzt seit 3 Monaten in China leben und das Gefühl habe, die Zeit nicht richtig genützt zu haben ... kann immer noch nicht chinesisch lesen und schreiben ... noch nicht die grosse Mauer und die Tonkriegerarmee gesehen ... aber in Shanghai kenn ich mich jetzt schon prima aus !!



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