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26.Jan 2003

Ein Jahr Shanghai ...
...was soll ich sagen - die Zeit ist unglaublich schnell vergangen und ich hab's bisher keine Sekunde bereut nach Shanghai zu gehen. Klar gibt's immer wieder Phasen wo man gerne mit Familie und Freunden aus Deutschland zusammen wäre, oder einen die Chinesischen Eigenarten auf die Nerven gehen, aber wenn ich überlege wie viele neue Erfahrungen ich innerhalb von 12 Monaten gemacht habe und das mit meinem normalen Leben in München vergleiche, kann ich jedem nur empfehlen mal 'ne Zeit ins Ausland zu gehen. Voraussetzung ist natürlich eine positive persönliche Einstellung für eine neue Umgebung und eine Menge Flexibilität. Shanghai für mich die richtige Stadt, aber ich könnte mir im Moment kein Leben in China abseits der Grossstadt vorstellen - auch wenn mir grüne Wiesen usw. sehr abgehen. Auch hat ein hübscher Urlaub, oder ein kurzes Praktikum nichts mit dem wirklichen Leben hier zu tun. Glaubt man z.B. am Anfang noch keine besonderen Ansprüche bezüglich Unterkunft zu haben, merkt man schnell, dass man während des Jobs wenig Zeit und Lust findet sich ständig um die Strom-, Wasser-, Energieversorgung und die Beseitigung von Ungeziefer zu kümmern.


20.Jan

Habe gerade ein paar Bilder zum Thema Abriss alter Häuser ins Netz gestellt.
Was ganz anderes: Ist das inzwischen in Deutschland eigentlich auch so schlimm mit all diesen Ermässigungs-Meilensammelkarten ? Hab' inzwischen so an die 30 VIP-Karten in meinem Geldbeutel und ich komme mir manchmal wirklich dumm vor, wenn ich irgendwo ohne Rabatt und Meilen zahlen muss. Langsam verliere ich speziell bei den Karten der Airlines und Hotelketten den Überblick ! Was nützen mir hier zig unterschiedliche Karten, wenn sich auf jeder einzelnen nur gearde so viele Meilen befinden, dass es für keine Prämie reicht ? Noch dazu diese Chinesischen Kontoauszüge, auf denen nicht klar wird, was man jetzt wirklich mit den Punkten machen kann. Im Endeffekt preisen alle ihre Ermässigungen, aber wenn man diese dann in Anspruch nehmen will, wird immer auf das Kleingedruckte verwiesen ... nur gültig innerhalb von blabla... 25% auf Alles ...ausser Getränke, Fisch, Fleisch und special promotions... Komischerweise sind die Chinesen ganz wild auf diese Karten, obwohl sie ihnen eine Lieblingsbeschäftigung nehmen - das Feilschen !


18.Jan

Was man den Chinesen wirklich zu Gute halten muss, ist dass es hier so gut wie keinen Vandalismus in Shanghai gibt. Stellt Euch mal eine Europäische oder Amerikanische Millionenstadt vor - ohne Graffitis und zerstörten öffentlichen Einrichtungen - undecktbar. Hier in Shanghai ist es z.B. kein Problem in den Bahnhöfen riesen, sündteure Plasmabildschirme in greifbarer Höhe aufzustellen, ohne dass sie jemand beschädigt. Auch in den U-Bahnzügen sind konventionelle Computer-Flachbildschirme für Werbezwecke einfach an der Wand montiert, ohne irgendwelchen Schutz und niemand schraubt, kratzt und schmiert da rum ! Bei uns in Deutschland inzwischen leider undenkbar.


16.Jan

Gestern war traumhaft klares Wetter hier in Shanghai - kommt selten genug vor und natürlich nie am Wochenende wenn ich Zeit habe zu fotografieren. Dass gerade im Job etwas mehr los ist sieht man ja an den spärlichen Einträgen im Tagebuch - komme gerade wenig dazu, bzw. verbringe meine Freizeit im Moment lieber draussen. Haben jetzt in der Abteilung einen neuen Expat aus Deutschland und auch für die nächsten Monate einen Österreichischen Praktikanten - mit vier Langnasen im Büro werden wir jetzt wahrscheinlich auch privat mehr zusammen unternehmen, insbesondere das sich dann ein gemeinsames Taxi für eine Fahrt auf's Land lohnt.


10.Jan

Das Chinese New Year rückt näher und irgendwie bin ich schon wieder zu spät dran für diese freie Woche Anfang Februar eine Reise innerhalb Chinas zu organisieren ... alle Flüge sind voll und die Chinesische Regierung hat mitgeteit, dieses Jahr auch das erste mal Beschränkungen auf die Anzahl verkaufter Bahntickets zu geben um das Chaos in der Vergangenheit zu vermeiden. Jeder Arbeiter will natürlich während dieser Zeit zurück zu seiner Familie in alle Teile Chinas. Naja, Shanghai ist ja auch nicht so schlecht und wenn's Wetter einigermassen ist kann ich vielleicht mal etwas weiter mit dem Fahrrad aus der Stadt rausfahren.


5.Jan

Heute Mittag hat's gerade mal minus 4°C gehabt - richtig schön kalt. Der Wasserfall am Ritz-Carlton Hotel hat über Nacht riesige Eiszapfen gebildet - sieht wirklich schön aus. Anderseits tun mir die Leute in Ihren unbeheizten Wohungen in Shanghai leid.
Bin gerade etwas durch die Strassen gelaufen und muss wieder mal sagen, dass ich schockiert bin wieviele Häuser im Moment abgerissen werden. Dies wird durch den Zuschlag für die Expo 2010 natürlich noch mehr beschleunigt. Da sieht man einzelne Familien sich eisern in Ihren kleinen Häusern verschanzen, während ringsherum schon die Bagger die Nachbarn vertrieben haben. Ein alter Mann sitz auf einem Stuhl und beobachtet, wie Arbeiter sein Hab' und Gut in einen Lastwagen tragen - auf Einzelschicksale wird hier in boomenden Shanghai nicht Rücksicht genommen. Hab' in letzter Zeit sehr viele Fotos gemacht, die das dokumentieren und werde dem bald mal eine eigene Seite widmen.


2.Jan

Happy New Year aus Hongkong ! Könnt Ihr Euch in Deutschland vorstellen, um Mitteracht auf das neue Jahr anzustossen und danach so um halb drei Uhr nachts nochmal ein bischen Shoppen in den Kaufhof oder C&A zu gehen ... so gesehen in Hongkong !! Das ist wirklich gelebte Marktwirtschaft an denen die Geschäfte in dieser Nacht offen haben, weil man durch die vielen Meschen, die durch die Strassen ziehen, das neue Jahr gleich mit einem prima Umsatz beginnen kann. Mann muss aber auch dazusagen, dass die Bewohner von Hongkong Silvester nicht wirklich auf Partys feiern, sondern zu zehntausenden einfach nur so durch die Strassen laufen. Feuerwerk ist ja sowieso verboten und wenn dann zündelt man lieber ein paar Wochen später zu Beginn des Chinese New Year - da freu' ich mich auch schon wieder darauf :-)


30.Dez

Heute morgen schon um 6:30 aufgestand und zum Flughafen gefahren, um über Silvester nach Hongkong zu fliegen und Mittags schon eine bisserl Shoppen zu können... leider kam's dann etwas anders. Sass schon im Flugzeug als uns kurz vor der Startbahn der Pilot mitteilte, dass die Maschinen wegen technischem Defekts erstmal am Boden bleiben müsse... prima! Also wieder raus aus dem Flugzeug und am Schalter in die wild schreienden Chinesen gemischt. Tja und dann gab's erstmal zwei Stunden keine richtige Info auf Englisch, was los ist und wir hörten nur wie eine Maschine nach der anderen, vermutlich halb leer, nach Hongkong abhob... Inzwischen war die Stimmung schon mehr als gereitzt, aber irgendwie schaffte es einige besonders laut schreiend und gestiklulierende Chinesen einen Sitzplatz in einem der anderen Flüge zu bekommen. Da wurde ich natürlich auch sauer und ...naja als ich dann auch lautstarkt auf das Personal eingeredet hatte ... plötzlich wurde mir auch ein neues Ticket zugeschoben ! Typisch Chinesisch - nur wer sich ganz egoistisch vordrängelt wird bedient. Muss auch sagen, dass das wirklich mal wieder gezeigt hat, wie schlecht die Airlines hier in organisiert sind - für solche Situationen müssten meiner Meinung nach irgendwelche Notfallabläufe exisitieren und man nicht dann erst beginnen zu überlegen, was man mit den Pasagieren jetzt macht - zumindest sollte man sie informieren, wie das weitere Vorgehen ist. Naja, schlussendlich bin ich dann um 16Uhr, mit mehr als 3 Stunden Verspätung in meinem Hotel in Hongkong angekommen ...und das an meinem Urlaubstag.


26.Dez

Ja, so mag ich das: Draussen schön kalt, so um die Null Grad, blauer Himmel und Sonnenschein. Da macht der Spaziergang während der Mittagspause wirklich Spass auch wenn unser Industriegebiet nicht wirklich reizvoll ist. Nur der kalte Wind stört etwas, aber wenn man warm angezogen ist kein Problem .... zumindest für mich, weil die Chinesen auf der Strasse sichtlich frieren, obwohl sie u.a. die guten "North Face"-Jacken anhaben ... komisch aber auch.... naja liebe Chinesischen Marken-Plagiat-Käufer, es reicht halt nicht nur schnell das Label zu kopieren, sondern ein Blick ins Wörterbuch würde sich lohnen, um herauszufinden dass die Übersetzung von Daunenfüllung nicht mit Watte-Holzwolle-Gemisch gleichbedeutend ist. Viele Chinesen werde sich fragen, warum die Westler alle die teuren Marken kaufen, wo doch die billigen grauen Einheitswollmäntel aus vergangenen Tagen viel wärmer sind ... Wie will man hier in China als Markenhersteller den Kunden die Vorteile von Qualitätsprodukten näherbringen, wenn die Plagiate optisch nicht vom Original unterscheidbar sind, einen Bruchteil davon kosten und mit viel höheren Stückzahlen verkauft werden ? Man weiss hier nie ob man nicht eine Fälschung kauft und das selbst im grossen Kaufhaus. Anderseits habe ich mich vor meiner Ankunft in China nie intensiv mit der Qualitäsprüfung von Kleidungstücken befasst - inzwischen bin ich Experte ...



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