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4.Aug 2003 Hab' was witziges gesehen und leider kein Foto gemacht: Das stehen in den öffentlichen Parks in Zhanjiang überall Kugelrunde Mülleimer rum, die als Globus bemalt sind ... an einer Stelle ist eine grosse Klappe als Öffnung für den Müll ... und zufälligerweise hat sie immer genau die Lage und Form eines grossen Landes ...die USA. Leider ist im Realität genau umgekehrt - der drittgrösste Chinesische Importartikel aus den USA ist mit 1.2 MRD USD nach Flugzeugen und Computern ...Müll.
Trotzdem passen die Chinesen bei den Importen sehr auf: Habe gerade eine grössere Ladung Baustoffe per Schiff nach China kommen lassen, doch jetzt liegt das ganze erstmal beim Zoll. Der macht immer gerne mal Ärger und so konnten (wollten) sie sich diesmal einfach nicht erklären, warum jemand so dumm sein kann, Betonblöcke aus Deutschland nach Asien zu schicken ......sehr verdächtig und deshalb ist ein übereifriger Beamter jetzt auf die Erklärung gekommen...
  ...die Blöcke sind radioaktiv verseucht und wir wollen sie hier in Ihrem schönen Land nur entsorgen !!! Jetzt müssen erstmal Proben genomenen werden und ins Labor in die Provinzhauptstadt geschickt werden - prima, jetzt kann ich meine ganze Terminplanung in den Müll werfen, aber das entspricht wiederum den Regeln für Business in China... 1.Everything is possible. 2. Nothing is easy. ...6. Patience is the essence of success.

3.Aug Wenn man die richtige positive Einstellung hat, kann man auch einem Wochenende in Zhanjiang etwas abgewinnen. Bei strahlend blauem Himmel und trotz der hohen Temperaturen bin ich entlang der grosszügigen Palmenalleen und Uferpromenaden in Richtung Zentrum spaziert. Begleitet wurde ich immer wieder von mehreren Mopedtaxis, die durch unablässiges Hupen ihre Transportbereitschaft andeuteten...die Langnasen sind wirklich dumm...laufen lieber als sich fahren zu lassen. Leider drückt einem die Hitze hinter jeder Mauer und aus den Bananenstaudenwäldchen den Geruch von Müll und Verwesung all der Tierkadavern in die Nase ...trotz der breiten Strassen und versucht modernen Parkanlagen denkt man bei den vielen, kleinen verkommen Häusern nicht an einen 6Mio Stadt. Aber genau diese neuen Eindrücke mag ich ja an China. Hier beherrschen noch die Fahrräder das Strassenbild, die Menschen tragen helle Strohhüte und vor den Läden stehen grosse Aquarien voller todgeweihter Fische und Schildkröten, die mit rudernden Füsschen an den glitschigen blauen Kacheln hochzukriechen versuchen. Grausam - ja, aber Zhanjiang ist auch bekannt für seinen Fischfang und irgendwo ist mir auch der Geruch der Fischfabriken und Schweineställe, der einem schon bei Aussteigen aus dem Flugzeug empfängt, manchmal lieber als die verschmutze Luft Shanghais. Ich sage manchmal, den wirklich wohnen möchte ich hier nicht.

28.Juli Hurra, jetzt hole ich meine Tibetreise, die wegen SARS im Mai abgesagt werden musste Ende September nach ! Die Reiseroute ist die gleiche und die Vorfreude diesmal noch grösser ... hatte dieses Jahr ja auch noch keinen Urlaub.

25.Juli Zurück in Shanghai - der Taifun war in Zhanjiang nicht so schwer wie angekündigt, trotzdem interessant mal live zu sehen, aber dafür war die ganze Arbeitswoche mit all den Reisetätigkeiten für mich mehr oder weniger verloren. Nunja, dann nächste Woche auf's Neue in Flugzeug steigen...

24.Juli Wie glücklich wir uns in Europa schätzen können von Umweltkatastrophen weitgehend verschont zu bleiben, wird einem bewusst wenn man hier in China lebt. Seit gestern nachmittag sitzen wir hier in der Provinz Guangdong und warten auf den zweiten Taifun innerhalb zwei Tagen ( Imbudo )... alle Betriebe und Schulen wurden geschlossen und auch wenn wir hier relativ sicher in unserem Produktionswerk sitzen mache ich mir doch Gedanken, was mit all den klapprigen Hütten passieren wird, deren Blechdächer sich schon jetzt im Wind bewegen. Anderseits begegnen die Chinesen der reichen Auswahl an Überschwemmungen, Stürmen und Erdrutschen Ihres Landes mit einer unglaublichen Ergebenheit und Unbeirrbarkeit beim Wiederaufbau.

22.Juli Da ertappe ich mich, Mitten in der Chinesischen Provinz zu sitzen und ein San Pellegrino Mineralwasser zu geniessen ... mag' einer sagen, er würde verstehen wenn ich einen guten Italienischen Rotwein einfliegen lassen würde - aber profanes Wasser ? Nunja, den Wein verachte ich natürlich nicht, aber ist man erst mal eine Zeit lang hier im Land der kohlensäurefreien, abgestandenen Lotusblumenteichwässerchen, kann ich Euch nur sagen, ist der Genuss durchaus gleichwertig.

21.Juli War vorhin schon am Flughafen in Shanghai, da kam kurzfristig eine Taifun im Süden Chinas vorbei ... Flug gestrichen, alles wieder zurück und morgen den zweiten Versuch starten ... auch das ist China und verlang viel Nerven.

20.Juli

Trotz Temperaturen von um die 35 °C wollte ich das Wochenende nicht dumm rumsitzen und hab' mir 4 Stunden Busfahrt angetan um einen Ausflug nach Ningbo zu machen. War hier zwar schon öfters für die Firma unterwegs, aber es ist schon was ganz anderes wenn man sich mal richtig Zeit nehmen

 

kann tagsüber, nicht gehetzt durch die Strassen zu laufen. So richtig geniessen konnte ich insbesondere die hübschen Parks und den Mondsee dann aber erst nachdem am Abend ein bischen Abkühlung kam. War wirklich überascht wie modern Ningbo ist und bei vielen neu gestalteten Einkaufszentren und Plätzen Shanghai um nichts nachsteht, teilweise sogar moderner wirkt - naja, den Glauben dass kitschige Beleuchtung fortschrittlich ist findet man hier leider auch... Ningbo war übrigens schon im 16.Jahrhundert für die Portugiesen ein wichtiger Handelshafen, als Shanghai noch ein kleinses Fischerdorf war.


15.Juli Abendliche Abkühlung auf 25°C - wie angenehm - kein Scherz, da tut ein Spaziergang durch die Strassen richtig gut. Derzeit sind übrigens wieder Verkehrserziehungswochen, mit Polizisten an jeder Kreuzung - aber keine merkliche Verbesserung im Chaos, ausser dass die mitten auf der Kreuzung zur Rüge aufgehaltenen Taxis den Verkehr noch mehr behindern. Auch andere Säuberungsaktionen laufen derzeit mit mehr oder weniger grossem Erfolg. So war vor zwei Wochen plötzlich eine sonst von DVD-Händlern, Fleischspiess- und Ramschverkäufer total überfüllte Nebenstrasse der Nanjing Lu plötzlich wie leergefegt ... nur ein paar Polizisten sicherten die regulären Geschäfte in der Gasse. Naja, im laufe der Zeit kamen sie wieder alle zurück und heute gab's wieder das gewohnte Bild und fast kein durchkommen...

13.Juli Am Wochenende habe ich mal eine einstündige Bootsfahrt auf dem Hangpu River ausprobiert... macht echt Lust auf mehr, auch wenn ich mir das nächste Mal klareres und kühleres Wetter aussuche. Träume ja derzeit etwas davon mal den Jangtse von Shanghai aus Richtung Tibet hochzufahren, aber im Moment gibts starke Überschwemmungen, schlechtes Wetter und sowas ist natürlich auch nicht innerhalb zwei,drei Tagen zu bewältigen.

10.Juli ..kurz vor Mitternacht in Zhanjiang, beim Blick aus dem Fenster sehe ich noch viele Chinesen durch die Strassen zwischen den Industriebauten schlendern, eine Holz-Blechhütte dient als Treffpunkt. Ein Billardtisch auf dem sandingen Boden gestellt, grelle Neobeleuchtung dort, sonst schwachgelbes Glühbirnenlicht. Auf der Baustelle schräg gegenüber tragen Männer mit nackten Oberkörper Zementsäcke ins Gebäude. Es ist besser Nachts zu arbeiten, doch die schwühle zieht durch jede Ritze in mein klimatisiertes Appartment. Wenn ich in den kleinen, herunter-gekommenen Mietskasernen leben müsste, würde ich abends
  auch lange durch die Strassen ziehen. Wenn ich jetzt das Licht hier im Raum anschalten, wären alle Augen draussen auf mich gerichtet - besser als jedes Fernsehenprogramm! So sitze ich lieber im Dunkeln, trinke mein Bier, schaue nach draussen, auch ich habe keinen Fernseher...

7.Juli Das habe ich nun auch schon lange nicht mehr gehabt: Fahrradfahrer die mir verrenkten Hälsen fast in den Graben fahren, Kinder dennen vor Erstaunen die Schüssel Reis Hand fällt und das nur, weil eine grossen blonde Langnase einen abendlichen Spaziergang durch Strassen Zhanjiangs macht. Hier erinnert nur wenig an das moderne Shanghai-China sondern kann durch seine räumliche Nähe die Verwandtschaft zu Vietnam nicht leugnen - zumindest mich erinnern die Ströhhüte und Vegetation an Indochina. Leider auch die Armut und die sonnenverbrannten Menschen, die durch harte Feldarbeit Ihre Familie enähren - ja, vieleicht verstehe ich nun ansatzweise, warum es in Shanghai so schick ist, eine blasse Haut zu haben.


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