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3.Jan 2005

Tagebuch.... werde mir auch 2005 die Zeit nehmen es fortsetzen - schlicht und konzentriert - keine Umbenennung in ein trendy Web-Blog, sondern unprofessionell von Hand gestrickt aber individuell. Ist schon richtig ignorant von mir, mangels Zeit kaum Tagebuecher anderer Leute im Netz zu lesen. Eine der wenigen fremden Seiten, welche ich regelmaessig aufrufe ist von einem jungen Chinesen aus Shanghai, der sein Leben auf English dokumentiert. Ist schon komisch, denn ich kann mich da so richtig schoen ueber seine Ueberheblichkeit aufregen, denn er repraesentiert fuer mich klar einen dieser aufstrebenden White Collars welcher das Internet u.a. dazu benutzet sich und sein Land den westlichen Lesern moeglichst positiv zu praesentieren. Dortige Aussagen, wie 'New York und Shanghai seien inzwischen durchaus vergleichbar' sind arrogant und naiv, spiegeln aber gut das neue Selbstbewusstsein speziell in Shanghai wieder. Diese Yuppies sollten mal Ihren tollen Kleinwagen dazu benutzen und mal paar Kilometer aufs arme Land rausfahren...

 

Ein amuesant, kritisches Statement zu dem Thema Web-Blog auf das ich heute gestossen bin: "Wer seine sozialen Aufstiegsmöglichkeiten eingeschränkt sieht, wird sich als Mindeststatussymbol ein Weblog zulegen"
Kein Kommentar dazu ... ich hab ja auch eines ;-)
Back to real life: Da ich heute noch frei hatte und durch den bevorstehenden Umzug warscheinlich nicht mehr lange so nah am Huangpu-River leben werde war ich morgens schon um 6:30 am Bund um den Sonnenaufgang ueber Pudong zu fotografieren (siehe Foto)


1.Jan

Happy New Year 2005... jetzt hab' ich mich schon so angepasst, dass ich Silvester gar nicht mehr feiere, sondern nur auf das Chinese New Year am 9.Februar warte weil dann wirklich was in der Stadt geboten ist. In Shanghai hat es immer noch ziemlich Frost wodurch nicht nur die Menschen in ihnen Wohnungen leiden (Der grosse Steuermann Mao hat seinerzeit verordnet dass es suedlich des Jangtze Flusses in den Haeusern keine Heizungen gibt...), sondern auch geplatzte Wasserrohre in vielen Gassen ein huebsches Schauspiel ergeben ( Wasserrohre werden in Shanghai 'traditionell' an der Hausaussenwand verlegt ... ) Auch behindern stehengebliebene Busse staendig den Verkehr, wobei ich vorhin ein huebsches Bild sah, als 4 Busfahrer versuchten einen grossen, vollbeladenen Linienbus muehsam von Hand von der Kreuzung zu schieben, waehrend drinnen die Passagiere ganz unbeteiligt aus dem Fenster sahen und ein paar Taxifahrer durch wildes Hupen den Vorgang unterstuetzten... typisch Chinesische Einstellung: 'ist nicht mein Job'.


30.Dez Wir sind soeben gut ins mittlerweile verschneite (!!!) Shanghai zureuckgekehrt. Trotz bis zu -20Grad auf der grossen Mauer hatten wir in Beijing und Xian wirklich traumhaftes Wetter mit 4 Tagen blauem Himmel und Sonnenschein. Die entsprechende Kleidung und gute Planung vorausgesetzt ist es wirklich ein guter Tipp im Winter Sehenswuerdigkeiten wie die Tonkrieger und die verbotene Stadt zu besuchen, weil sich der Besucherandrang sehr in Grenzen haellt. Wie zu erwarten sind dabei natuerlich ziemlich viele (analoge) Fotos entstanden die ich Euch bald zeigen werde (->Xi'an) . Beim Rueckflug von Xian haben die Chinesen dann alles getan um meiner Mutter auch mal die nicht so perfekte, chaotische Seite von China zu zeigen. Verspaeteter Abflug, Airport Hangzhou wegen schlechtem Wetter
  geschlossen, Umleitung nach Pudong, 45 Minuten warten im Flugzeug nach Landung, weil zuerst kein Parkplatz und dann kein Bus aufzutreiben war und zum Abschluss noch ein Kamikaze-Taxifahrer, der unbeirrt von den vielen Umfaellen um uns herum mit ueber 100Kmh ueber die vereisten Highways gedonnert ist.
 

28.Dez

Tsunami ... die Bilder im Fernsehen aus Thailand und Srilanka sind erschuetternd. War ja vor einem Monat in Indonesien und genau vor einem Jahr auf Puket ... als mir heute ein Bekannter den Link von unsere zerstoerten Tauchstation geschickt hat wurde mir erst bewusst wie schnell man selbst Teil einer solchen Katastrophe sein kann. Anderseits stoesst mir unangenehm auf, dass sich die Presse zu stark auf die Schicksale der wenigen Toursten und weniger auf die Bewohner stuerzt. Die Urlauber fliegen wieder nachhause, aber der Bevoelkerung muss jetzt schnellstmoeglich gegen aufkeimende Saeuchen geholfen werden !


25.Dez

Frohe Weihnachten ! Meine Mutter ist gerade fuer ein paar Tage zu Besuch in Shanghai und deshalb bin ich natuerlich nach der Arbeit als Reisefuehrer taetig. Am Mittwoch abend waren wir in der Acrobatikshow im Shanghai-Center - das ist eine abgespeckte Version der Vorfuehrung, welche ich vor einem Jahr im Shanghai-Circus gesehen habe. Auch nicht schlechte, aber aufgrund der beengten Platzverhaeltnisse mit mehr Zauberkunststuecken und weniger richtige Akrobatik. Ab Montag werden wir ein paar Tage in Beijing und Xian (Tonkrieger) unterwegs sein. Soll dort mit -10 Grad gerade ziemlich kalt sein, aber damit besteht die Chance dass ich hier endlich mal Schnee in China zu sehen bekomme! In der Zeitung stand heute die Ueberschrift "The spirit of Christmas floots the City" ... naja, das was wir gestern abend so um 23Uhr durch die Strassen ziehen sahen waren zehntausende Chinesen, die nach der lautstarken Weihnachtsfeier in einem der Restaurants oder Karaokeschuppen noch schnell ein bischen Mitternachtsshopping in der Nanjing Road gemacht haben ... mein Spirit of Christmas ist ein anderer, aber es ist auch ein Erlebnis wie die Hauptstadt des Turbokapitalismus fremdes Kulturgut aufnimmt ;-)


16.Dez

Laptop... es ist mir schon vor Laengerem aufgefallen, wieviele Menschen in Shanghai mit Laptoptaschen durch die Strassen laufen ... moderne Stadt moechte man meinen. Inzwischen bin aber dahinter gekommen, dass es einfach nur schick ist so ein Tasche zu tragen ...die Teekanne ersetzt darin oft den Computer und die Polsterung haelt das Getraenk lange schoen warm. Auch moechte ich den meisten echten Laptopbesitzern dieser Stadt unterstellen, diesen nur zum Betrachten von DVDs und Fotos zu benutzen, wie z.B. ein Blick auf die mega-wichtig vor sich im Teehaus plazierten Geraete schnell offenbart. Auch stelle ich immer wieder fest, wie Geschaeftspartner bei Sitzungen alle sofort den Laptop anschalten ... den ganzen Tag die Tastatur nicht beruehren ('a nice Screensaver you have...'), bei Terminabsprachen doch den alten Papierkalender rausziehen und beim Austausch von Daten-CDs dann verzweifelt das CD-Fach an Ihrem Rechner suchen...


12.Dez

Luftverschmutzung ... ergaenzend zu dem huebschen Bild vom Oktober ueber die weltweite Luftverschmutzung habe ich gestern im Internet eine schoene Satelitenaufnahme der braunen Smogwolke ueber China gefunden. Das Reich der Mitte ist mittlerweile nach den USA der zweitgrößte Luftverschmutzer. Zwischen 1990 und 2002 ist der CO2-Ausstoß nach offiziellen Angaben in China von 2.3 Milliarden um 44,5 Prozent auf 3.3 Milliarden Tonnen angewachsen. Die direkten Auswirkungen koennen wir hier in Shanghai leider taeglich spueren und hierfuer benoetige ich keine Messwerte sondern muss nur aus dem Fenster sehen. Da kommen mir die vielen Bemuehungen der Deutschen zum Thema Umweltschutz global gesehen wie ein Tropfen auf den heissen Stein vor.


11.Dez

Gastarbeiter ... ist mir doch heute das erstemal aufgefallen, dass ich Gastarbeiter in China bin. Also ich meine das klingt doch ganz anders als Expat . Wenn deutsche Ausdruecke irgendeinen negative Beigeschmack haben bedient man sich ja gerne dem Englischen Begriff - in China gilt es uebeirgens inzwischen auch als schick etwas English einzustreuen, wobei das oft sehr belustigend fuer mich ist, weil die Woerter dann sehr Chinesisch ausgesprochen werden (sollte wirklich mal ein paar Beispiele aufnehmen und hier ins Netz stellen). Es gibt natuerlich noch einen anderen Grund fuer die vielen Englischen Ausdrueck die hier Einzug halten: Soweit ich das als Nicht-Sinologe beurteilen kann tut sich das Chinesische sehr schwer neue, moderne Ausdruecke zu kreieren. Es funktioniert nur mit Umschreibungen, die aber manchmal nicht eindeutig sind. Damit mache ich taeglich leidvolle Erfahrung weil besonders fuer technische Ausdruecke das Ergebnis stark vom Geschick und Wissen des Uebersetzers abhaengt.


9.Dez

Etwa vor 3 Jahren habe ich begonnen diese Internetseiten zu befuellen. Wollte eigentlich nur dass mich meine Freunde in Deutschland damit nicht vergessen, waehrend ich mal kurz ein bischen in China arbeite... Wenn mir damals jemand gesagt haette, dass ich irgendwann mal oben auf dieser Tagebuchseite 2005 in die Uebersicht einfuege, haette ich Ihn ausgelacht... hm, seit heute gibts die Zeile fuer mein viertes Jahr in China :-)
Muss leider zugeben, dass ich mich inzwischen immer oefters selbst ertappe Chinesische Besonderheiten nicht mehr bewusst wahrzunehmen und ich am Anfang wenig Probleme hatte diese Seiten mit kuriosen Erlebnissen zu fuellen (z.B. China ist anders)

 
 

Wie z.B. neulich den Klettermeister auf den Telefonleitungent, den ich zwar gesehen habe aber erst durch eine erstaunte Touristengruppe auf die Idee gekommen bin, diesen zu fotografieren ... bedenklich ... sollte mich mal wieder bzgl 'Man lebt zu lange in China wenn...' pruefen lassen...


6.Dez

Liest derzeit ueberhaupt noch jemand in Deutschland mein Tagebuch oder seit Ihr schon in den Weihnachts-einkaufsstress verfallen, dem ich ja hier gottseidank entgehe ? Anderseits: Schenkt man den den deutschen Zeitungsberichten glauben sind die Muenchner Kaufhaeuser leer, weil keiner mehr Geld ausgeben will ... aber fuer die Zeitungen und Magazine mit den vielen bunten Berichten ueber das boomende China reichts gerade noch ... wobei die genau die schlechte Stimmung noch verstaerken. Ihr wisst ja wie ich diese oft schlecht

 

recherchieren Artikel mit den trentigen Fotos schaetze, die bewundernd nach Fernost blicken... oder so erschreckt wie der Affe den ich in Bali fotografiert habe ... lasst Euch da nichts einreden ! Hier in Shanghai ist sicher nicht das Paradies, doch was man wirklich von den Chinesen lernen kann ist, dass man nie den Kopf so haengenlassen sollte wie diese Peking-Enten ... vielleicht ist diese ueber Jahre verfeinerte Kunst der Improvisation, auch in schlechten Zeiten das Beste aus dem Vorhanden machen zu koennen genau das, was China jetzt Vorteile bringt ... die Frage ist wie nachhaltig dies ist? Wuerde gerne mehr darueber philosophieren ... aber nicht hier im Internet ... vielleicht in Muenchen bei ein, zwei Gluehwein auf den Christkindlmarkt am China-Turm...

 


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