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7. März

Kleine Alltagsprobleme einer Langnase: ...koennt Ihr Euch vorstellen, welche Konsequenzen es hat, wenn der dichtende Gummiring der Kaffeeversorgungseinheit ploetzlich das Zeitliche segnet ?!? In Deutschland keine grossen, aber hier im Land der Teetrinker sind die Espressokannen nicht gerade an jeder Ecke zu bekommen. Gerade noch habe ich mich so darueber gefreut, dass ich durch den neuen Gasherd morgens noch schneller an das lebensspendende Elixier komme und jetzt, nach jahrelangem, klaglosem Dienst, aus heiterem Himmel hat das Ding heute morgen beschlossen, am Gegenstueck haengenzubleiben, rauszuspringen und ist jetzt im aufgequollenem, bruehigem Zustand selbst unter Einsatz diverser Hilfsmittel nicht mehr davon zu ueberzeugen in seine gewohnte Position neben dem Sieb zureuckzukehren... Naja, einen Ingenieur ist nix zu schwoer und ich werde schon

 

eine Idee haben. Ist ja nicht das erste Ersatzteilversorgungsproblem das ich in China zu loesen habe... doch mir tun jetzt schon meine Kollegen leid, die mich morgen frueh erstmal ohne Kaffee ertragen muessen.
Nachtrag: Mir ist gerade einfallen, dass ich in der Fuzhou Lu mal einen Laden mit Espressokannen gesehen habe!


6. März

Da heute die Sonne rausgekommen ist und ich die Hoffnung auf einen baldigen Fruehlingsanfang habe, moechte ich meine Negativ-Serie hier im Tagebuch mit drei Bildern von den Strasen Shanghai abschliessen... alle am gleichen Tag aufgenommen. Vielleicht versteht Ihr dann, mit welchen Eindruecken man hier taeglich konfrontiert wird, die sich negativ aufs Gemut schlagen koennen. Ein Mann zieht bettelnd durch die Einkaufsstrassen, an einer Leine einen kleinen Affen, dem eine Hand fehlt. Das erste Gefuehl ist nateurlich Mitleid mit dem Tier. Als nach ein paar Meter eine ganze Gruppe Maenner auftaucht, jeweils mit einem Affen mit fehlenden Gliedmassen der an eine Schnur angebunden ist wird mit klar, dass dies kein Zufall ist ... die Fluchtgefahr ist damit einfach geringer... Hass gegen diese skrupellosen Menschen steigt auf. Ein Ecke weiter sitzt ein kleines Maedchen bettelnd auf dem kalten, nassen Boden. Als ich ihm etwas Geld gebe entdecke ich die Mutter, welche aus sicherer Entfernung den Vorgang beobachtet. Ploetzlich sehe ich auch ihre anderen

 

Kinder, die an den Hausecken postiert sind. Es gibt leider auch die Kombination aus beiden Faellen ... verkrueppelte, bettelnde Kinder, wobei ich hier sogar von Chinesen den Verdacht gehoert habe, dass die Verletzungen kein Unfall waren oder zumindest bewusst nicht geheilt werden, da sie den Lebensunterhalt sichern... Punkt. Ab jetzt wieder die schoenen Seiten Shanghais zeigen...


1. März

Ni hao laoshi... manchmal muss man sich ja im Leben selbst bewusst unter Druck setzen... darum schreibe ich heute und hier offiziell, dass ich ab sofort wieder einmal in der Woche 2 Stunden privaten Chinesisch-Unterricht nehme. Das ist nicht viel, schlussendlich zaehlt doch der gute Wille ! Der letzte Versuch liegt nun fast zwei Jahre zurueck und scheiterte nach nur paar Stunden daran, dass SARS ueber China hereinbrach und dieser 'Ausnahmezustand' ein willkommener Anlass war mich ohne Gesichtsverlust aus dem Klassenzimmer zu schleichen... Leider hat es sich bestaetigt, dass man Chinesisch nicht einfach auf der Strasse aufschnappt - selbst wenn einem ein Wort bewusst zwanzigmal vorsagt wird, ist ohne Grundlagenkenntnisse zur Lautbildung und den Tonhoehen die Chance nicht uebermaessig gross, dieses wirklich richtig zu wiederholen - oft profitiert man nur davon, dass unser Gegenueber schon erahnt, was die Langnase sagen will. Was fuer unsere westlichen Ohren vielleicht gleich klingen mag, koennte schnell was ganz anderes bedeuten ... sehr gefaehrlich! Wollte meine Freundin mal liebevoll xiao gong zhu (kleine Prinzessin) nenne ... hab's schnell im Woerterbuch nachgeschaut, mich dann aber im Ton vergriffen und dann doch sehr einpraegsam dazugelernt, dass dies in der letzen Silbe ein klein wenig anders betont Schweinchen bedeutet... solche Fehler wuerde ich Zukunft gerne vermeiden....


27.Feb

He, der letzte Eintrag im Tagebuch hat ungewoehnlich viele Reaktionen bei meinen Mitlesern ausgeloest... freut mich natuerlich wenn diese Zeilen jemanden interessieren :-) Also Leute, alles im gruenen Bereich, mir geht's gut und die leichte, witterungsbedingte Depression geht wieder vorueber ! Bin dem Leben in China wirklich positiv eingestellt, denn sonst waere ich schon lange nicht mehr hier, aber mein Ziel ist es in diesem Tagebuch offen ueber das Alles zu berichten was mich so beschaeftigt. Das Phaenomaen der unterdrueckten Aggression ist unter westlichen Gastarbeitern ja oft ein Gespraechtsthema (Nein, wir haben trotzdem noch keine Therapiegruppe gegruendet ;-). Diesbezueglich macht jeder Neuling schnell seine eigenen, kuriosen Erfahrungen und hat innerhalb kuerzester Zeit ein paar gute Erlebnisse parat. Meine Einschaetzung ist, dass ich mich persoenlich sowieso sehr tolerant gegenueber diesen kulturellen Unterscheiden gebe, weil ich mich dem Erlebnis China ja freiwillig stelle .... doch manchmal koennte einem der Geduldsfaden schon reissen. Am Anfang schuettelt man noch oft nur den Kopf ueber Situationen,

 

wenn einem zum Beispiel wiedermal jemand das Taxi wegschnappt, als man schon fast platzgenommen hat, wenn ein Passant seine Nase knapp vor die eigenen Fuesse entleert oder man beim McDonalds an der Kasse nicht zum Bestellen kommt, weil sich staendig irgendjemand von links und rechts vor einem reinschiebt. Irgendwann aber nervt es und dann haengt es vom persoenlichen Temperament ab, wie direkt man reagiert ... uebermaessige Reaktionen von uns Langnasen fuehren dann schnell zu einem Gesichtsverlust, aber ehrlichgesagt ist das dann meiner Ansicht nach auch schon egal, denn die ausloesende Situation hatte ja auch nichts mit gegenseitiger Wertschaetzung zu tun... zumindest nach unseren westlichen Massstaeben.


24.Feb

Habe gerade mit Kollegen gescherzt, dass die Chinesen fuer uns Auslaender neben dem obligatorischen medizinischen Test vor Vergabe des Arbeitsvisa mal eine psychologische Bestandsaufnahme machen sollten, die dann jaehrlich ueberprueft werden muesste ...zeitweise bin mir nicht sicher, ob ich inzwischen noch durchkommen wuerde... vielleicht ist meine Rubrik 'Man lebt schon zu lange in China wenn...' ein erster Indikator. Auf alle Faelle beeinflusst China uns Langnasen und nicht immer zum Positiven .... manches kann einen in den Wahnsinn treiben, vieles ist einfach nur anders. Gerade vorhin in der Metro, als diese wieder bis zum Anschlag voll war und nach Oeffnen der Tueren die ungeduldig, draengende Menschenmasse auf dem Bahnsteig nicht nur eine Sekunde warten wollten uns aussteigen zu lassen... da dachte ich mir, wie lange es noch dauern wird, bis ich eines Tages meine humane Erziehung vergesse, auch Ruecksichtlos in der Masse werde, meine Koerpergroesse brutal aussnuetze, kleine Menschen schonungslos erdruecke und nicht mehr einfach seufzend und kopfschuettelnd eine Station weiterfahre ? Lest Ihr bald in der Zeitung, dass eine Langnase in Shanghais Metro Amok gelaufen ist .... Chinesen wuerden den Grund nicht verstehen.


21.Feb

Geschafft ... der Umzug hat gut geklappt und das neue Heim ist wirklich huebsch! Meiner Laune gehts auch wieder besser, denn In Shanghai hat das Wetter am Wochenende nach mehreren Wochen intensivem Regen auf Sonneschein und Minusgraden umgeschwenkt ... wie Ihr auf dem letzten Foto aus meinem alten Apartments links sehen koennt, waren am Samstag die Daecher sogar schneebedeckt!

 

Werde Euch die naechsten Tage weitere Fotos meiner neuen Wohung ins Netz stellen, hab' aber schon mal die ersten Eindruecke abgelegt. Muss zugeben, dass mein neues Zuhause neben der guten, zentralen Lage und der huebschen Einrichtung natuerlich auch ein paar Nachteile gegenueber der Alten mit sich bringt: Sie kaelter (keine Heizung, sondern nur Klimaanlagenkasten, wie in Shanghai ueblich), sie ist wiedermal kleiner und hat keine Gaestezimmer bzw. -bett (wer mich bisher nicht besucht hat muss jetzt ins Hotel, der Internetanschluss ist deutlich langsamer (trotz ADSL oder was immer die darunter verstehen) und es ist etwas laut dort, weil nur im 4.Stock ( fuer Shanghaier Verhaelttnisse gerade mal ueber dem Basement.... vor dem Fenster starkes Hupen auf der Fuxing Road)


15.Feb

Da gab es zu Zeiten von SARS eine Kampagne, die die Chinesen zu mehr Reinlichkeit insbesondere bei dem Umgang mit Ihren Atemwegen aufforderte. Ein Ergebnis daraus konnte man heute in der Zeitung lesen: In Shanghai werden inzwischen jaehrich pro Kopf mehr als das doppelte an Papiertaschentuechern und Toilettenpapier verbraucht als im internationale Durchschnitt ! Dieser neu entdeckte Luxus der Papierverschwendung ist mir hier auch schon oefters negativ aufgefallen - fuer jeden Zweck wir hier nach einem Tuechlein aus der praktischen Pappschachtel gegriffen. Das trifft die durch den taeglichen Verbrauch von Holzessstaebchen eh schon belasteten, geringen Waldbestaende Chinas (18% der Landflaeche, Deutschland im Vergleich 30%) sehr stark. ( Essstaebchen sind auch oft aus Bambus! ) Man darf hier fuer das Reich der Mitte nie vergessen, dass im Zweifelsfall 1,3Mrd Menschen auf irgendeinen Trend anspringen und das kann gigantische Auswirkungen haben. Speziell der Wasser und Energieverbrauch steigt inzwischen dramatisch an und die niedrigen Endkundenpreise wirken der Tendenz nicht entgegen. Das bisher nicht vorhandene Umweltbewusstsein der Chinesen liegt meiner Meinung nach im gleichen Wesenszug begruendet, mit welchem sie nach meinen Beobachtungen Mitmenschen im oeffentlichen Leben ( U-Bahn) mit Ruecksichtslosigkeit und Konzentration auf den eigenen Vorteil begegnen. Diese "Ist-nicht-mein-Problem"-Einstellung laesst einen langen Weg in Richtung Umweltschutz befuerchten...


14.Feb

Hatte schon lange nicht mehr so einen kalt, verregeten Urlaub ... wenige Chancen das Haus zu verlassen ... na ja, damit bleibt Zeit fuer andere Dinge wie diese Homepage und den Umzugsvorbereitungen.


11.Feb
Sponsered by ... obwohl ich mich ja an die Invasion von McDonnalds, KFC usw in China gewoehnt habe und daran, dass inzwischen wirklich alles kommerzialisiert wird, aber dass jetzt auch das traditionelle Chinese-New-Year im Yu-Garten in Shanghai von Coca-Cola gesponsert wird ... da finde ich wirklich schockierend. Wie man schon alleine aus der Menschenmasse schliessen kann, die
 

sich hier nicht nur an Feiertagen aufhaellt, sollte man meinen, die vielen Geschaefte wuerde ueber das Jahr hinweg genug Gewinn machen um sich neutrale, traditionelle Lampions leisten koennen, anstelle auf jene des amerikanischen Zuckerwasserherstellers zurueckgreifen zu muessen, auf welchen das Logo groesser prangert als die in Chinesischen Schriftzeichen gemalten Neujahrswuensche. Da kann wiedermal jemand seinen Hals nicht voll genug bekommen ... aber erzaehlt mir dann nicht wieder was von 4000 Jahren Chinesischer Geschichte - wo bleibt Euer Stolz ?!


10.Feb

Jetzt ist's fixiert: Am 19.Februar werde ich in meine neue Wohnung umziehen. Lust auf den Umzugsstress habe ich zwar keinen, aber Jammern hilft jetzt auch nicht und eine neue Umgebung ist ja auch nicht so schlecht.


9.Feb

Simcity... sieht man sich die rasante Entwicklung Shanghais an, draengt sich unweigerlich der Vergleich zu Simcity auf, dem Computerspiel. Sie gleicht keinem real existierenden Stadtkonzept und erlaubt ist erstmal alles. Fuer Shanghais Funktionaere, Staedteplaner und Architekten scheint die Stadt eine grosse Spielwiese darzustellen, in der spontan, quasi per Mausklick Stadtviertel abgerissen, Hochhaeuser hochgezogen und Strassen gezogen werden. Suempfe werden fuer Industriegebiete ueber Nacht trockengelegt und per Copy-Paste ein paar Fabriken errichtet. Ein neuer Tiefseehafen waere ganz nett - leider kein Platz hier, aber lasst uns doch schnell mal eine Bruecke von 27Kilometer ins Chinesische Meer betonieren ! Ups, die Buerger beschweren sich ueber zu wenig Gruenflaeche ... kein Problem, einfach weg mit den alten Kolonialbauten und ein paar Baeume per Lastwagen herbeigeschafft.



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