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21.Juli 2005

Was in Shanghai immer wieder angenehm auffaellt ist, dass die Bewohner sehr schnell neue geschaffene Plaetze und Parks in der Stadt annehmen, sie benutzen, sie bevoelkern, es sich dort bequem machen, als wenn sie schon immer da gewesen waeren. Aus allen Haeuser stroemen z.B. abends die Menschen an den kleinen kuenstlichen See vor meiner Wohnanlage, bepackt mit Liegestuehlen, Kartenspielen, der obligatorischen Flasche Tee. Arbeiter der nahegelegenen Baustelle schlender herbei, schauen neugierig

  mit Ihren gelben Helmen anderen ueber die Schultern, welche den Gesaengen aus fernen Provinzen lauschen. Erinnere mich dann schon oft daran, wie trostlos leer so manche Parks, speziell in Neubaugebieten in Deutschland sind.

18.Juli

Einmal im Leben so cool und laessig wie die Chinesen sein ;-) Gerade noch den Ochsenkarren auf dem Reisfeld vor der Stadt abgestellt und heute schon mit Gucci-Sonnebrille, den Kargen des Armini-Hemdes hochgeschlagen, mit neustem Handy am Ohr durch die Nachwelt Shanghais ziehen, waehrend daneben Arbeiter aus dem gleichen Dorf fuer wenige Yuan auf dem Baugeruest Ihr Lebens auf Spiel setzen... man moege mir diesen Sarkasmus verzeihen, aber zu haeufig muss ich mich ueber diese neureiche Arroganz aufregen. Dass Shanghai gerade eine Bluete wiederholt, die es schon vor ueber 60 Jahren durchlebt hat, laesst sich schoen in dem Buch 'Weisse Wolken ueber gelber Erde" von Herbert Tichy nachvollziehen, welches ich gerade mit Begeisterung lese. Darin beschreibt er Shanghai "...Tausende Autos, zehntausende Rikschas, Millionen Fussgaenger schieben sich durch die Strassen. In den modernsten, teuersten Autos fliegen die SIeger im Wettrennen um Erfolg ueber den Asphalt. In armseligen Lumpen schleppen sich die Verlierer durch das Labyrinth der Gassen. Ein Paradies mit allen Genuessen des Westens und allen Lastern des Ostens fuer die Gewinner. Eine Hoelle, erbarmungsloser als die Wueste, fuer die Verlierer. Aber was ist wirklich die Hoele? Taeglich kommen sie zu Tausenden mit ihren Buendeln auf dem Ruecken aus dem umgebenden Land. Die 'Stadt ueber dem Meer' zieht sie an wie ein helles Licht..." Das war 1941...


16.Juli

Das Chinesische Geld... da ich oefters Anfragen von Deutschen bekomme, die hier in China arbeiten wollen und dabei bei Vertragsabschluss mit dem Thema Konvertierung von RMB in Euro konfrontiert werden, habe ich hier mal eine kurze Zusammenfassung geschrieben (ohne Gewaehr - stellt nur meinen heutigen Wissenstand dar !):

Renminbi (RMB), wie der offizielle Name der Chinesische Waehrung lautet ( Chinesen sagen Yuan), kann laut geltendem Gesetz grundsaetzlich nicht frei in eine andere Waehrung konvertiert werden. Das bedeutet, dass man weder auf die Bank gehen kann um Bargeld in Euro zutauschen, noch kann man RMB von einem Chinesischen Konto ins Ausland ueberweisen. (es gibt wenige Ausnahmen, wie z.B. fuer Auslandsreisen, wobei die Betrage gering sind) So ergibt sich das Problem, dass man das Geld, welches man hier als Arbeitnehmer ansammelt quasi nicht aus dem Land schaffen kann - sprich' man muss es hier auch ausgeben (Fuer manche kein Problem...) Das ist uebrigens auch ein Grund fuer die hohen Immobilienpreise in Shanghai - denn auch Chinesen koennen nicht im Ausland investieren.

Viele Auslaendische Firmen gehen damit den Umweg, dass man nur den lebensnotwendigen Teil des Gehaltes in China als RMB auszahlt und den Rest entweder ...
... direkt in China als USD oder EUR, denn es gibt inzwischen in China Konten in Fremdwaehrung.
... in Hongkong in einer anderen Waehrung, wobei auch der HKD konvertierbar ist.
... direkt in Deutschland auf ein Konto bekommt.

Zu beachten ist, dass man, wo auch immer sie das Geld erhaellt, als Deutscher nach dem geltenden Doppelbesteuerungsabkommen ab einem halben Jahr Aufenthalt in China auch hier mit dem Welteinkommen voll Steuerpflichtig ist. Auch ist es nicht immer einfach fuer ein in China ansaessiges Tochterunternehmen Gehaelter ausserhalb Chinas zu zahlen. Ferner ist man durch die Bindung des RMB und des HKD an den US$ den Waehrungsschwankungen zum Euro ausgeliefert. Das hat fuer mich seit Januar 2002 ca. 20% Gehalteinbusse bedeutet !

Dass man RMB nicht umtauschen kann zieht uebrigens noch einige nicht so naheliegende Probleme nach sich, denn so gibt es z.B. auch keine international gueltigen Chinesischen Kreditkarten die man einfach an sein RMB-Konto binden kann, so dass man oft gezwungen ist z.B. auf Geschaeftsreisen weiterhin mit einer Deutschen Kreditkarte zu zahlen. Die Reisekostenabrechnung in China wird dann aber meist wieder in RMB ausgezahlt ... somit sammelt sich schnell zu viel Geld in China an und man muss zusehen, wie man das Deutsche Konto wieder fuellen kann...


10.Juli

Bin gerade dabei, mal eine nicht ganz ernstzunehmende Ausruestungsliste fuer den Sommer in Shanghai zusammenzustellen ... die Sonnenschutzmaske Modell Darth Vader steht auf alle Faelle ganz oben ! Amuesiere mich ja immer wieder wie doof die aussehen und wie beliebt diese dennoch bei der sonst so modebewussten Damenwelt Shanghais sind. ( Zudem bin ich nateurlich dem Erfinder neidisch, mit welchen simplen Produkten man Geld machen kann) Gefolgt wird dieses Utensil sicherlich von den modischen hautfarbenen Nylonsocken fuer den Mann und dem Flanier-Nachthemd fuer den abendlichen Einkauf bzw.zur vorbildlichen Durchfuehrung des Klappstuhlabendprogrammes.


3.Juli Wenn man in letzter Zeit oefters mit dem Taxi faehrt und all diese Werbeschildchen an den Kopfstuetzen studiert, koennte man meinen, die ganze Stadt steht Schlage fuer eine Schoenheitsoperation. Vermehrt laecheln einem grosse Augen, Silikonlippen und vergroesserte Oberweiten entgegen. Diese Spezialkliniken schiessen wie Pilze aus dem Boden bzw. scheinen viele ehemals staatliche Krankenhaeuser dieses lukrative Geschaeft entdeckt zu haben. Im Gegensatz zu dieser medizinischen Aufruestung habe ich auf der anderen Seite das Gefuehl der Service fuer normale, nicht so zahlungskraeftige Burger reduziert sich in den Krankhaeusern immer mehr, bzw sehen sich viele aermer Bevoelkerungsschichten ploetzlich damit konfrontiert, dass vom ehemaligen Versorgungssystem der Kommunistischen Zeit nur noch die Grundversorgung uebrig

  ist. Umso schlimmer, als es hier in China fast niemand nur Ansatzweise nach unseren Massstaeben Krankenversichert ist. Es haeufen sich die Geschichten, dass Leute nach Verkehrsunfaellen halbtot auf der Strasse lagen und alle Beteiligten und Schaulustigen inklusive der Polizei nur darueber diskutierten, wer nun die Krankenwagenkosten bezahlt. Auch wer sich mit letzter Kraft in die Notaufnahme schleppen kann wird ohne Bargeld nicht behandelt werden. Deshalb liegt bei uns in der Firma im Ersthilfekasten jetzt auch etwas Bargeld...

2.Juli

War gestern abend mal wieder im Ala Shanghai - das ist eine Bar in der Maoming Lu welche ich seit meinen ersten Tagen in Shanghai gerne besuche - ist ja nicht so üblich, dass irgendwas in dieser Stadt so lange exisitiert und gerade die Maoming Lu wurde ja schon oft totgesagt. Wirklich sehr nett darin, mit guter Liveband, vergleichsweise günstigem Bier (355ml fuer 3€ ) und kaum Langnasen. Anderseits hab' ich gestern mitbekommen, dass die Chinesen hier fuer einen Platz am kleinen Stehtisch mindestens eine grosse Flasche Wiskey fuer umgerechnet 60€ bestellen müssen! Da sitzen dann da 3 "junge Bürscherl", von denen meiner Meinung nach

 

keiner mehr als 250€ im Monat verdient um solch' ein Flasche und schueten sich den Jack Daniels gemischt mit eisgekühltem grünem Tee hinein ... es gibt in dieser Stadt immer noch vieles was ich nicht verstehe.


1.Juli

Irgendwie ist die Regensaison dieses Jahr in Shanghai ausgefallen ... ist ja einerseits angenehm, bin aber mal gespannt ob wir damit neben der Energieknappheit diesen Sommer vielleicht noch ein Wasserversorgungsproblem bekommen.


28.Juni

Das sind die Naechte, welche Shanghai so lebenswert machen... auf dem naechtlichen Nachhauseweg durch die schwülen Gassen, knapp unter 30°C, kurz nach Mitternacht, die Musik noch in der Ohren welchen den netten Abend mit Freunden auf der Dachterasse einer Bar begleitet haben, gemischt mit Grillengezirpe und ungeduldig hupenden Taxifahrern. In den Strassen sitzen und liegen ueberall Menschen die der Hitze in ihren engen Wohnungen entkommen wollen, quatschen, singen, schlafen in Shanghais Strassen und geniessen die Sommernacht ...


27.Juni

Gerade bahnt sich wieder mal das sommerliche Hauptrpoblem in China an: Die massive Energieknappheit, verursacht durch all die Millionen laufenden Klimaanlagen. Viele Firme um Shanghai werden wiedermal tageweise keinen Strom haben - die Energieversorgung kann machmal nur an 3 Wochentagen sichergestellt werden. Neben den Lieferengpaessen wird es damit auch oft schwierig eine Termin fuer Meetings mit anderen Firmen zu finden, den die einen arbeiten Di-Fr, andere Fr-Di und bei manchen entscheidet sich das kurzfristig...


23.Juni

Zurueck aus Qingdao...Irgendwie komisch in China ploetzlich so viele Deutsche Architektur, insbesondere kleine Burgen und Fachwerkhaeuser zu sehen. Ist wirklich eine sehr schoene Stadt, die sie sich da damals als Kolonie ausgesucht haben .. Meer, Sandstrand mit relativ sauberem Wasser, kleine Huegel, viel Gruen ! Hab' zwischendurch mal meine Kollegen noetigen muessen einen kurzen

 

Stop einzulegen ... der einmaligen Chance in ein Chinesisches U-Boot hinabzustiegen konnte ich nicht wiederstehen ... Fotografieren war ja eigentlich nicht erlaubt, aber darin bin ich ja inzwischens sehr schnell ;-)


19.Juni

Habe ich hier eigentlich schon mal geschrieben, wie gerne ich die Japanische Kueche mag ? Gehe manchmal 3-4 mal die Woche in eines dieser Japanischen 'Fastfood' Restaurants um Sushi, Sashimi und all die guten Nudelsuppen zu essen. Der frische rohe Fisch ist hier sehr guenstig und ich hatte anschliessend noch nie Probleme mit dem Magen. Am Besten sind natuerlich diese All-you-can-eat Angebote, bei denen man ab ca 15 EUR soviel Essen und Trinken (incl Bier und Sake !) wie man will ...

 

aber dass ist dann eher was fuer Freitagabend, denn der rohe Fisch benoetig halt ausreichend Sake zum schwimmen ;-) Morgen fliege ich fuer die Firma 3 Tage nach Qingdao. Interessiert mich ja schon seit Langem, was die Deutschen damals unter Kaiser Wilhelm II da gebaut haben. Vielleicht gibt's ja auch die Chance sich die Brauerrei anzusehen, welche 1903 gegruendet wurde und heute ganz China mit Bier versorgt.


18.Juni

So wie Wuestenvoelker in Ihrer Sprache eine Vielzahl von Woertern fuer verschiedene Brauntoene des Sandes entwickelt haben, die Eskimos sprachlich sehr genau zwischen den unterschiedlichen Schneesorten differenzieren, so bin ich mir sicher, hat es im Shanghainese viele Unterscheidungen fuer neblig, schwueles Wetter. Manchmal wechselt der Himmel, bzw die Dunstglocke waehrend des Tage ein ganzes Spektrum an Farben, von graeulich, nach blaeulich, ueber gelblich nach roetlich ... Gruentoene hingegen sind reduziert und speziell sattes blau fuer Himmel und Seen fehlt im Spektrum. Oh je, ich haette den Artikel im Internet ueber den Start der Biergarten- und Badesaison in Deutschland nicht lesen sollen...


11.Juni

Die ueber 10kg Fotoausruestung und der riesen Aufwand bei der bevorstehenden Digitalisierung meiner Tibet Dias hat mich angeregt doch mal darueber nachzudenken ob fuer mich jetzt schon ein geeigneter Zeitpunkt fuer den Einstieg in die digitale Spiegelreflextechnik ist. Derzeit liegt die neue Canon EOS 350D bei mir zuhause, welche in gewisser Weise das untere Ende der Technik fuer mich darstellt. Anders als es die Prospekte auf den ersten Blick erscheinen lassen, ist der Groessen- und Gewichtsunterschied zu meiner Nikon F5 gigantisch ! Das mag

 

jetzt positiv klingen, aber ich empfinde diese leichte Kunststoffgehaeuse als zu unrobust und bei dem geringen Gewicht habe ich das Gefuehl leichter mal Fotos zu verwackeln. Der erste EIndruck der Bildqualitaet mit 8MP faellt hingegen sehr positiv aus. Was ich bei den ersten Digitalkameras als eindeutigen Fortschritt besonders bei Nachtaufnahmen empfunden habe, war die Moeglichkeit vor Ausloesen das Bild mit entsprechender Belichtungsvorschau auf dem Display zu sehen - hatte nicht bedacht, dass das ja systembedingt bei den Spiegelreflexkameras nicht so einfach moeglich ist. Schade, dass sich der Spiegel zumindest bei der EOS 350D nicht manuell zur Vorschau hochklappen laesst. Auch der mangelnde Weitwinkelbereich stoert mich sehr stark. Ferner empfinde ich Anordnung und Ausfuehrung der Bedienungselemente der Canon als nicht sehr gelungen. Werde jetzt keinen Testbericht schreiben, aber mein erstes Fazit ist: Werde noch etwas warten, bis die Preise der professionellen Modelle wie die D2X fallen.



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