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3.April 2006

Es ist schoen wieder in Shanghai zu sein, speziell weil das Wetter gerade sehr angenehm warm und sonnig ist. Anderseits muss sich der Koerper erst wieder auf die Umgebung einstellen, aber das anfaengliche Husten geht vorbei, sobald sich die Lungen wieder an den Dreck gewoehnt haben. Auch beim Restaurantbesuch passt sich das Gehoer relativ schnell wieder an die starke Geraeuschkullise an und blendet so machen Laut dezent aus. Die Reflexe un d Gesamtaufmerksamkeit werden speziell im Strassenverkehr wieder erhoeht und so die gruene Fussgaengerampel wieder mit misstrauisch, vorsichtigem Bick in alle Richtungen ueberquert. Im offentlichen Leben stellt man seine Manieren wieder von japanisch, hoeflich auf ruecksichslos um und wenn alles normal laeuft, werde ich ab morgen auch meine anfaengliche Geruchsempfindlichkeit in den engen Gassen wieder ueberwundenhaben. Wecome back in China...


31.Maerz

Zurück in Shanghai. Da mein Rückflug über Tokyo ging, war das ein willkommener Grund noch zwei Nächte in Kyoto drangehängt. Damit konnte ich endlich mal diese alte Stadt mit ihren vielen Tempeln besichtigen und auch mit dem Shinkansen fahren. Hat sich beides absolut gelohnt, auch wenn ich nach den zwei Wochen Wärme in Hawaii fast erfroren wäre - Schneefall statt Kirschblüte ! Bin vorgestern doch über 12 Stunden, ohne Pause, von einem Tempel zum anderen gewandert und war wiedermal überrascht, wie extrem unterschiedlich die Japanische Kultur doch teils von der Chinesischen ist - und doch viele Geimeinsamkeiten hat.

 

Besonders fällt mir das im Prinzip der Gärten auf, in der hier penibel auf absolute Perfektion geachtet wird und der Besucher eher das Gefühl hat, ein Fremdkörper zu sein. Da wird morgens selbst der Bachlauf sorgfaeltig mit Besen gereinigt und einzelne Steinchen, welche der Regen aus der harmonischen Lage verrueckt hat, wieder die rechte Stellung gebracht. In Chinesischen Gärten fühle ich mich ehrlichgesagt wohler, haben sie doch eine gewisse Natürlichkeit - selbst wenn auch diese streng geplant sind. Sie spiegeln eher die Lebhaftigkeit der Chinesen wieder ... stelle mir gerade eine Horde von Touristen aus dem Reich der Mitte vor, die ueber einen Japanischen Garten herfallen ... die armen Gaertner.


23.Maerz

Morgens kurz geblinzelt ... was ist das? Sonne !!! Bin sofort los und habe nach einer Kuestenwanderung gleich nochmals die Tour von Gestern in den Canyon gemacht - genial! Wusste gar nicht, dass der so tief ist, denn am Tag zuvor war da nur Nebel und eine Sicht um die 50m ... gut dass ich mich da nicht so weit vorgebeugt habe. Das ist dann uebrigens der Vorteil, wenn man alleine reist, denn das Programm von heute haette ich sonst niemanden zumuten koennen ... bei schoenem Wetter vergesse ich glatt die Mahlzeiten... meine 4GB in der neuen Kamera sind nun schon fast voll.



22.Maerz

Die ersten Bilder! Auf Kauai regnet es ununterbrochen und leider sind viele Strassen gesperrt. Habe trotzdem einen offenen Wanderweg gefunden und der Regenwald dort war wunderschoen, auch wenn meine Schuhe danach zwei grosse Schlammklumpen waren, mit denen ich mich an der Hotelrezeption vorbeischleichen musste... Das rechte Bild zeigt das Innere des Haleakala Kraters (Maui) - mit blauem Himmel, aber 15 Minuten spaeter war hier wieder dicht.


20.Maerz

Dass ich die Strasse nach Hana gestern bie Dauerregen gefahren bin, war gar nicht so schlimm, denn umso weniger Touristen sind unterwegs und die Wasserfaelle am Wegesrand waren natuerlich voll in Betrieb! Als ich heute morgen um 6 Uhr aus dem Fenster sah, um das Wetter fuer die Fahrt zum Haleakala Krater zu pruefen, sah ich ploetzlich blauen Himmel! War dann auch wirklich beeindrucken von Meereshoehe in einer Stunde auf 3000m zu fahren... bedeuet auch von 30Grad auf Gefrierpunkt! Bin dann in 5 Stunden in den Krater ab- und wieder 800m aufgestiegen ... das war dann der sportliche Teil, nachdem ich mich ja sonst schon an diese typisch amerikanische Unsitte angepasst habe alles mit dem Auto zu fahren (...bedingt durch den Mangel an oeffenbtlichen Verkehrsmittel und die grossen Distanzen). Selbst abends am Strand, zum Beobachten des Sonnenuntergange steigt man nicht aus dem Auto aus... nicht nur China ist anders, hier koennte ich auch mal einiges Ungewoehnliches zusammenfassen. Morgen fliege ich weiter nach Kauai und hoffe, dass ich dort etwas von der Insel sehen kann, denn die starken Regenfaelle, welche seit einem Monat hier herrschen, haben Daemme brechen lassen und einige Strassen weggeschwemmt.


16.Maerz

Morgen fliege ich weiter nach Maui und hoffe auf besseres Wetter, denn die letzten Tage kam die Sonne hier kaum durch. Anderseits bin ich ja auch kein Strandmensch oder Sufer, aber dass man bisher die Berge nicht sehen konnte und ich auch beim Whale Watching wieder ohne Foto eines grossen Saeugers zukueckkehren musste, war etwas enttaeuschend ( in Neuseeland und Groenland ging's mir schon genauso.)


14.Maerz

Aloha! Bin gut in Hawaii angekommen, nur leider spielt das Wetter noch nicht so ganz mit, aber vielleicht ist das fuer meine inzwischen typisch chinesisch blasse Haut auch ganz gut so. Habe mich erstmal gewundert, dass zwischen Einsteigen in Tokyo Flughafen und Ankunft in Honolulu kein Unterschied war ... ueberall Japaner! Scheint hier auf der Insel die zweite Landessprache zu sein ... na ja, zumindest kann ich damit der Amerikanischen Kueche etwas ausweichen, den an jeder Ecke gibt es Ramen und Sushi.


12.Maerz

He, das wird ja wirklich noch ! War gestern Abend auf meinem ersten Punk-Konzert in China. Als Hauptakt hat in der Shuffle Bar die Band SUBS! aus Beijing gespielt und das war wirklich ein unglaublich guter Kontrast zu den vielen Schmusesong-Coverbands die normalerweise täglich das gleiche Repatoir in den Kneipen Shanghais abspielen. Wenn man die optisch unscheinbare Sängerin mal so zufällig auf der Straße treffen würde, könnte man sich nie vorstellen mit welcher gewaltigen Energie und Stimme sie gestern Abend da auf der Bühne rumgesprungen ist. Absolut professionell und für eine Chinesin völlig untypisch

 

unbefangen! Na ja, Beijing hat auch eine richtige Kulturszene wärend Shanghai dafür bekannt ist, dass nur das Business zählt. Ueberigens: In meiner Jugend hat man noch Feuerzeuge waehrend des Konzertes schwenkend in die Hoehe gehalten ...gestern bot sich mir ein vergleichbares Bild, nur ragten nun ueberall Fotohandys aus der Menge.


10.Maerz

War gerade nur knapp eine halbe Stunde vor dem Haus, um ein paar Testphotos mit meiner neuen Kamera zu machen. Ist wirklich unglaublich welche Motivvielfalt einem da in Shanghai sofort entgegenspringt ! Habe auch gleich die Nachteile der Digitalen Fotografie erkannt ...man drueckt oefters ab und die Festplatte fuellt sich rasend schnell. Anderseits macht man eher mal Fotos, die man sonst wegen der schwierigen Lichtverhaeltnisse nicht wagen wuerde und hat groessere Chancen auf spontane Schnappschüsse.


9.Maerz

Eingestiegen ... ins digitale Fotozeitalter. Den Kauf einer digitalen Spiegelreflexkamera habe ich ja lange hinausgezoegert, weil mir die Qualitaet, die Geschwindigkeit und schliesslich auch der Preis der bisherigen Modelle nie zugesagt haben. Wollte anderseits auch meine vorhandene Ausruestung weiter nutzen koennen und nicht wieder von Null anfangen. Seit Anfang der Woche bin ich nun stolzer Besitzer einer Nikon D200 ;-)

 

Ist wirklich ein huebsches Geraet und bisher habe ich (neben dem Preis) auch noch nicht viel auszusetzen gehabt. Werde sicherlich auch weiterhin viel analog fotografieren - schon wegen meiner Vorliebe fuer Weitwinkelaufnahmen, die durch die Groesse des Chips leider extreme Objektive benoetigen wuerde, die ich im Moment noch nicht erwerben will. Der erste Einsatz und damit auch der Grund fuer die Investitionsfreigabe, wird meine zweiwoechige Reise nach Hawai'i sein, die ich am Montag antreten werde .... (fuer mein breites Grinsen waere jetzt auch ein Weitwinkel notwendig !)


6.Maerz

Bin gerade ein paar Tage zum Aufwärmen in Singapur, nach dem Shanghai die letzten Wochen wirklich unangenehm kalt war. Ist das erste mal, dass ich als Tourist und nicht beruflich hier bin und so hatte ich u.a. die Chance meinen Freund Nemo in der Unterwasserwelt auf Sentosa zu besuchen. Eine so grüne, sauber Grossstadt, mit Strand vor der Haustuer ist natuerlich der krasse Gegensatz zu Shanghai. Komme mir hier immer vor, als wenn ich in einem riesen botanischen Garten sitzen wuerde - begeistert von den wunderschoen alten, großen Bäumen.


28.Feb

Der Antikmarkt in der Dongtai Road ist ja interessant genug und auch wenn ich davon überzeugt bin, dass 95% Imitate sind, ist vieles sicherlich als hübsches Souvenir tauglich. Absolut faszinierend sind aber die großen Möbellager außerhalb der Stadt. Dort stehen riesen, muffigen Hallen, bis an die Decke gefüllt mit Schränke, Tische und Betten, Chinesischen Stils. Auch hier kann man die Kunstfertigkeit bewundern, wie man Dingen künstlich eine 100jaehrige Patina verschafft. Anderseits finden sich hier wirklich alte Schätze, wie z.B. diese

 

wunderschönen Himmelbetten, wie eines auf dem Bild rechts zu sehen ist. Unrenoviert ist so was für umgerechnet 400€ zu haben! Die Frage stellt sich nur, wie man das Objekt im Zweifelsfall unbeschadet und ohne Probleme am Zoll aus dem Land schaffen kann, denn China hat ( zumindest theoretisch) ein strenges Gesetz bzgl der Ausfuhr von Antiquitäten. Auch ist zu beachten, dass Chinesische Möbel in der Regel nicht zerlegbar und sehr schwer sind....


26.Feb

Wiedermal was gelernt: Hatte mich über das Vorhandensein einer nagelneuen Waschmaschine im neuen Apartment gefreut ... na ja, Toploader. So, nun ist man es als Hausmann gewohnt, die wichtige Entscheidung zu treffen, 30, 60 oder 95°C ? Da fing das Problem nun heute an ...es lag nämlich diesmal nicht an der mangelnden Kenntnis der Chinesischen Schriftzeichen, die den immerhin 8 Knöpfe und 23(!) Lämpchen zugeordnet waren, sondern ... die Maschine kann nur KALT und das sei nach Rücksprache mit anderen Chinaexperten auch ganz normal. Das Thema wird dann spätestens im Sommer interessant werden, denn im Gegensatz zur einheimischen Bevölkerung entwickle ich bei körperlicher Betätigung und erhöhten Umgebungstemperaturen aggressive organische

 

Substanzen, die sich erst ab 60°C wieder aus der Kleidung lösen lassen! Auch eher ungewohnt für einen jahrelangen Lavamatbesitzer ist es, dass ich ab jetzt neben der Maschine warten muss, um in der richtigen Phase des Waschvorgangs, zeitgenau und manuell Waschmittel zuzugeben... Werde bei der ersten sich ergebenden Gelegenheit mal genau unter diese neue, im Land der Mitte entwickelten Magnetschwebebahn gucken ... vermutlich finde ich da unter einer Abdeckung viele kleine Chinesen mit kleinen Magneten in der Hand sitzen...ich kann das Thema nicht lassen, sorry!


24.Feb

Gestern war seit Langem mal wieder ein schöner, sonniger Tag und so konnte ich das Viertel vor meinem Wohnzimmerfenster genauer inspizieren. Auf dem Foto links sieht man meinen Wohnblock im Hintergrund. Leider sind die Abrissarbeiten schon weiter fortgeschritten als ich erwartet hatte. Sehr schade, denn dieser Stadtteil innerhalb der ehemaligen Stadtmauern, ist das ursprüngliche Zentrum des alten Fischerdorfes Shanghai. Werde versuchen noch einiges zu dokumentieren, den das Leben in diese Gassen ist so faszinierend und wird bald für immer verschwinden.

 

Muss wirklich endlich mal von analog zur digitalen Fotografie umsteigen, denn sonst sind die Häuser weg, noch bevor ich die Bilder überprüfen, bzw. gescannt und hier ins Netz gestellt habe. Bin nächste Woche mal ein paar Tage in Singapur ... vielleicht läuft mir ja da eine Nikon D200 über den Weg ;-) Nicht besonders begeistert war ich davon meine alten Freunde mit Ihren Affen wiederzutreffen, über die ich mich ja letztes Jahr schon aufgeregt habe. Mit Tierquälerei wird man in China ja häufig konfrontiert, doch oft entstanden aus dem Bedürfnis, möglichst frisches Fleisch für die Essenszubereitung zu benutzen. Verstümmelte Tiere zum Betteln zu benutzen für mich absolut unakzeptabel !


23.Feb

Da ich heute Morgen einige Mails erhalten habe, ob ich im Moment der Chinafrust gepackt hat, weil ich viel Negatives im Tagebuch schreibe... die Antwort ist: NEIN! Ich habe nur gerade etwas Zeit mich kritisch mit einigen Themen auseinander zu setzten und da ich gerade auf Jobsuche bin, analysiere ich meine 4 Jahre Berufsleben in Shanghai und die möglichen Zukunftsperspektiven. Lebe wirklich gerne hier in China, denn sonst wäre ich schon lange nach Deutschland zurück gegangen. Werde das Thema Business in China bald in eine eigene Rubrik zusammenfassen.


22.Feb

Hatte ein andere wichtige Methode der Chinesen vergessen, die sie aktuell zum Know-how-Aufbau einsetzen (Danke Mathias): Die Chinesen schaffen sich gerade legal Zutritt zu westlichen Technologien, indem sie die CCC-Kennzeichnung (China Compulsory Certification) auf alle Bauteile z.B. im Auto fordert. Firmen wie BMW und alle Zulieferer müssen jetzt für ihre Komponenten eine Zulassung bei der chinesischen Behörde (CQC) beantragen ... durch ein Erstaudit in den Fertigungsstäten. Dort werden neben den Fertigungsverfahren die Qualitätssicherungsprozesse und Typzulassungstests begutachtet, dann erst gibt’s das Zertifikat. Praktisch: Damit man auch ja keine Neuigkeiten verpasst, sind jährliche Wiederholungsaudits vorgeschrieben. Ich kenne das Thema dieser legalisierten Werksspionage schon seit Längerem aus meinem Fachbereich, aber es wird wirklich interessant ob die deutsche Automobilindustrie das Spielchen mitmachen wird, wenn diese Vorschrift ab Ende des Jahres in Kraft tritt und ab diesem Zeitpunkt alle paar Monate ein Bus voll Chinesen durch ihre Werk laufen... Anderseits hatten wir neulich in der Firma das ISO-Zertifizierungsaudit und der entsprechende Auditor von CQC hatte wirklich überhaupt keine Ahnung von der Materie! Da fällt mir sofort wieder das Thema mit den Digitalkameras von Sony und die angeblich mangelnde Qualität ein...

22:40 Nachtrag aus aktuellem Anlass ... weil so schön zum Thema Know-how passt:
Jetzt hab' ich mich doch wiedermal blenden lassen, denn als ich die neue Wohnung das erste Mal besichtig habe, war ich als alter Technikfanatiker gleich von der modernen, multimedialen Verkabelung der Räume angetan: Jedes Zimmer hat Telefon-, Fernseh- und Netzwerkanschluss. Zudem sind die Lautsprecherkabel schön hübsch Unterputz ins Wohnzimmer und Schafzimmer integriert (ja,ja, der Elektrosmog) und selbst in das Badezimmer lässt sich der Sound direkt in den in die Zimmerdecke integrierten Lautsprecher von der zentralen Stereoanlage einspeisen... Soviel zur Theorie, aber ich hätte es wissen müssen ! Es hat nämlich erstmal gar nix funktioniert. Ein erster kurzer Blick in den Schaltkasten hat mich dann gleich zurückschrecken lassen: Ein riesen Kabelknäul, ohne irgendeine Beschriftung, kreuz und quer, blanke Drähte, viel Klebeband. Hat mich jetzt einen vollen Tag gekostet das Chaos zu entwirren und die Fehler zu finden. Neben einem als untauglich identifizierten Netzwerk-Router und diversen Wackelkontakten, waren auch die Dosen und Netzwerkstecker teils falsch verdrahtet ... gut dass ich als solider Deutscher Heimwerker mein Multimeter nach China mitgenommen habe. Jetzt bin ich als Maschinenbauingenieur eher den Zahnrädern als dem elektrischen Strom zugetan, aber ich frage mich wirklich welche Ausbildung diese Chinesische Fachkraft genossen hat die das verbrochen hat!
Anderseits: Solche Ergebnisse, welche ich in meinem Job auch ständig hatte, beruhigen mich doch immer wieder bzgl der angeblich drohenden Gefahr durch das Reich der Mitte ... muss mir mal den Kabelbaum im Santana ansehen ;-)
Passt auch gut zu der Rechnung, die ich in der Firma öfters mal aufgestellt habe: Klar kostet der chinesische Arbeiter nur ein Bruchteil einer Deutschen Fachkraft, aber wenn man dann zusätzlich nochmal 5 Leute für die Qualitätssicherung und die Nacharbeiten benötigt, sieht die Rechnung wieder anders aus ... und wie rechnet man den Imageverlust, der durch Rückrufaktionen und ungenügende Qualität entsteht?



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