...Kultur-Schock
 

Vorwort...

Bitte versteht die nachfolgenden Zeilen auch nicht falsch - ich lebe sehr gerne in China und schaetze die Chinesen sehr! Wir Westler koennen eine Menge von dieser Kultur lernen ! Trotzdem moechte ich offen ueber meine Eindruecke berichten und die sind nicht immer positiv. Genau das drueckt ja diesen Kulturschock aus, dass man ueber vieles den Kopf schuettelt, weil man die andersartige Mentalitaet nicht versteht. Ich persoenlich komme damit gut zurecht - die nachfolgenden Zeilen sollen also eher aufzeigen und darauf vorbereiten, was einem im schlimmsten Fall erwartet.

 

Warum ?

In den bisher über 1 1/2 Jahren Leben und Arbeiten in Shanghai, den vielen Stunden in lärmenden Wartehallen, Zügen und Restaurants, den Monaten in denen ich mit Chinesen zusammengearbeitet habe, hatte ich viel Zeit die Menschen zu beobachten und darüber nachzudenken, was dieses Land und deren Bewohner doch so unglaublich von der westlichen Welt unterscheidet. Dabei spreche ich nicht von den ersten, gleich ins Auge fallenden Kuriositäten (China ist anders), über die jeder Pauschaltourist zwangsläufig stolpert , sondern dieses Unverständnis, das sich erst nach Monaten hier einstellt.

Betritt man das erstemal Chinesischen Boden ist alles so andersartig, die Sprache, die Schriftzeichen, der Lärm, die Hektik - man ist überwältigt ! Viele Bilder und Vorurteile die man mitbringt werden schnell bestätigt - Anderes sucht man vergeblich ( siehe auch unter '...China Know-How - Klischees - Dichtung und Wahrheit')

Nach einige Monaten stellt sich der Alltag ein und man denkt sich, "so viel anders ist's hier auch nicht..." Man schafft es zu überleben, findet Europäische Restaurants und Supermärkte, die Chinesischen Kollegen sind nett zu neuen Boss.

Nach dieser relativ kurzen Phase kommt der eigentliche Kultur-Schock ! Man entdeckt diese scheinbar unüberwindbaren Unterschiede in der Verhaltensweise! Man hat das Gefühl ständig gegen Wände zulaufen, eine Aneinanderreihung von Missverständnissen und von einem Fettnäpfchen ins Nächte zu treten.( Siehe auch 'Man wohnt schon zu Lage in China...') Das persönliche Selbstverständnis wird erschüttert und man erkennt langsam, wie unterschiedlich die Erziehung und Umgebung auf einen Menschen wirkt, wie sie einen so tief in der Kindheit prägt und wie unmöglich es erscheint einen Chinesen bzw. Europäer nachträglich die Denkweise des Anderen beizubringen.

 

Es ist das Gefühl der Machtlosigkeit die viele Ausländer kurz vor die Verzweiflung treibt, da die Verständigung mit den Einheimischen unabhängig von der Sprache selbst auf menschlicher Ebene nicht klappen will. Gerade wenn man als Deutscher beruflich nach China geschickt wird, erwartet die Auftraggeber in Europa natürlich dass der teure Expat entsprechend Leistung bringt und können es nicht verstehen, wenn die einfachsten Kleinigkeiten nicht klappen und so viel Probleme bereiten (siehe auch 'Asian-Business'). Nur wenige Expats haben Sinologie studiert, haben wie ich "nur" einen technischen Beruf und trotzdem muss man versuchen möglichst schnell einen Zugang zu dieser Kultur zu finden. Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass man anderseits immer wieder Frohnaturen trifft, die Diskussionen bzgl. Kulturunterschiede nicht verstehen, weil sie doch prima mit den Chinesen auskommen .... und dabei ein Feld der Verwüstung hinterlassen !

 

Ich stelle mir oft die Frage, wie ich meinen Freunden und Kollegen in Europa die grundlegenden Unterschiede in der Mentalität erklären kann. Leider komme ich oft zu dem Schluss: Man kann es nicht vermitteln, man muss es erlebt haben...

So sind bei meinem ersten Heimaturlaub all die Eindrücke nur so aus mir herausgesprudelt. Jeder lacht natürlich über all die "lustigen" Geschichte, aber irgendwie musste ich schnell feststellen, dass keiner in Deutschland die Hintergründe die zu diesen kuriosen Erlebnissen führen versteht. So sind die Erzählungen inzwischen verstummt.

Trotzdem: wenn ich es schaffe die Chinesische Mentalität so weit zu durchschauen, dass ich sie in einfachen Worten und Beispielen einem Europäer übermitteln kann, dann bin ich auch meinem Ziel näher, den Chinesen unsere Denkweise erklären zu können! Wenn ich dann schlussendlich Chinesische Kollegen habe, die auf unterschiedliche Reaktionsweisen gefasst sind, kann ich in vielen Fällen Missverständnisse vermeiden und den Arbeitsalltag effizienter gestalten - und auch die eigenen Nerven schonen! Das ist ein langwieriger und mühsamer Prozess, wobei man wirkliches Verständnis für die westliche Handelsweise meiner Meinung nach nie erreichen wird, sondern nur eine gewisse Offenheit und Sensibilität aufbaut. Wenn ich die Reaktionen meiner Chinesischen Kollegen nicht verstehe sagt ich mir erstmal "Stop - was könnte ich oder er jetzt falsch verstehen - verliert z.B. jemand sein Gesicht ?"

 

Erfahrungen:

Wie schon gesagt, ich bin kein Sinologe und es gibt eine Menge guter und schlechter Bücher zu diesem Thema - ich möchte hier nur meine eigenen Beobachtungen und deren Interpretation beschreiben. Diese mögen ungenau oder gar falsch sein - über jegliches Feedback bin ich wie immer dankbar.

Nachfolgende Zeilen sind noch nicht fertig...sammle noch meine Gedanken ...!

Wie geht mal also das Thema meiner persönlichen Erfahrungen mit der Chinesische Mentalität an?
Zum Einen muss man unterscheiden, ob es sich um Land- bzw. Stadtbewohner (im extremsten Fall Shanghainesen), bzw. um jüngere oder traditionsbewusste Chinesen handelt.

  • Die Lebenseinstelllung der einfachen Landbevölkerung scheint klar zu sagen, dass man sich den Lebensumständen fügen muss, die einem aufgezwungen werden - durch eine Überschwemmung, einen Taifun, ein Feuer verliert ein armer Bauern all sein Hab und Gut und schon am nächsten morgen beginnt er an der gleichen Stelle alles wieder aufzubauen - speziell in Amerika verklagt man hingegen sofort den Staat und den lieben Gott. Eine Benachteiligung kann nicht akzeptiert werden !
  • Auf der anderen Seite, im scheinbaren Widerspruch verstehen viele Chinesen die arbeitswütigen Deutschen und Japaner nicht, die Tag für Tag brav arbeiten gehen, wo man doch den ganzen Tag vor dem Haus Karten spielen kann und darüber nachdenken, wie man abends einen geschickten Handel oder eine Gefälligkeit tätigen kann, die einen dann finanziell eine ganze Woche über Wasser hält.
  • Kommt man unverhofft zu Geld, muss man es so schnell wie möglich wieder ausgeben.
  • Die völlige Rücksichtslosigkeit, mit denen man fremden Mitmenschen auf der Strasse begegnet. Es wird staendig gedraengelt und niemand kommt auf die Idee einem fremden Menschen zu helfen oder einen Gefallen zu tun. (Siehe auch unter Verkehr...) Jemand hat mal geschrieben, Asien zeig 'die Sanftheit des Einzelnen - die Brutalitaet der Massen'
    Wenn man z.B. Fahrkarten kaufen will, wuerde man als korrekt hoeflicher Mensch nie bis zur Kasse vordringen, weil sich immer wieder jemand vor einem dazwischenschiebt. Schlagen vor dem Schalter nehmen immmer ein Trichterform and und selbst wenn man schon das Geld auf den Tresen legt, schiebt sich noch schnell jemand seitlich an einem vorbei und haellt sein Geldbuendel dem Kassierer wendelnd vor die Nase. Wenn ich am Flughafen als erster aus dem Bus aussteige und nur die kurze Distanz zur Gangway zureucklegen muss, bin ich mit grosser Wahrscheinlichkeit der Letzte, der das Flugzeug betritt... jeder stuermt an einem mit seinen riesen Gepaeckbuendeln vorbei...selbst der korrekt bekleidete Businessman rammt einem kurz vor der Ticketkontrolle noch schnell seine Laptoptasche in die Rippen... Was mich persoenlich auch sehr nervt ist, dass egal wie voll die Ubahn ist, niemand anstalten macht die Menschenmasse erst aussteigen zu lassen, bevor man selbst eintritt... inzwischen passe ich mich speziell in diesem Fall an und nuetze meine Koerpergroesse aus ... Neben der Rücksichtslosigkeit ist auch die Feigheit (Stark gegen Schwach, Konfrontation vermeiden) ein bemerkenswertes Phänomen. Leider ist zu befuerchten, dass durch die Zunahme der sozialen Spannungen auch die Rüchsichtslosigkeit noch verschlimmern wird.
  • Man findet keine Spur von Umweltbewusstsein und es ist mir unverstaendlich dass man sich nicht mal die Mühe macht seinen stinken Müll auch nur zwei Meter von seine Haustür abzulagern. Der derzeitige Wirtschaftliche Aufschwung geht ganz klar auf Kosten der Umwelt, aber das kennt man ja auch von anderen Industrienationen. Spaeter, wenn eine gewisse Wohlstandsschwelle erreicht ist und man sich wieder nach sauberer Luft und klarem Wasser sehnt ,wird man diese Suenden teuer bezahlen muessen...da sollten wir Deutschen nicht herablassend ueber die Chinesen reden. Doch die Frage ist nur, ob in China die Umweltprobleme das Wachstum nicht schon vorher kollapieren lassen.
  • Chinesen sind furchtbar stolz auf Ihre Kultur und was ein Auslaender sagt wird oft gleich auf die Goldwage gelegt und gerne als Angriff gegen China gewertet ... hier ein netter (fiktiver?) Dialog, im Internet gefunden...
    Foreigner: "Ooh, it's hot in Shanghai in the summer..."
    Chinese: "How dare you criticize China?! You just don't understand our culture! You can't even speak Chinese! A lot of other places in the world are hotter!"
    Foreigner: "I like the heat."
    Chinese: "China invented heat 5000 years ago, and has the hottest place in the world."