Osttibetdurchquerung (Amdo / Kham ) im Sept/Okt 2003

Bei Tibet denkt man sofort an Schneebedeckte Achttausender, an Buddhismus, dem Dalai Lama, an Abgeschiedenheit ... doch Tibet ist weit vielschichtiger, genauso, wie die kunstvoll aufgeschichteten Haeuser, die den harten Witterungsverhaeltnissen trotzen (Bild links).

Will man das erleben, gibt es ausserhalb der inzwischen ueberlaufenen Hauptstadt Lhasa nur den muehsammen Weg ueber schlechte Strassen, hohe Paesse, durch einfache Gaestehaeuser ... doch das soll sich nach Willen der Chinesischen Regierung, die den Westen des Reichen wirtschaftlich und touristisch erschliessen will bald aendern.

Meine Hoffnung das alte Tibet vorher nochmal erleben zu duerfen ist voll und ganz geglueckt ! Ich haette nie gedachte ueber zwei Wochen lang keine westlichen Touristen zu treffen und so freundlich und offen von den Bewohnern empfangen zu werden.

Reisebericht von Harald Geiger

19.Sept: Flug von Shanghai nach Peking.
Shanghai verabschiedet sich mit Nieselregen und schon als ich im Hongqiao Airport ankomme, einchecke und im Wartesaal platz nehme, tritt die erhoffte Entspannung ein ... jetzt ist Urlaub ! In Beijing angekomme werfe ich meine Gepaeck ins Hotelzimmer und ziehe in Richtung Tianmen-Platz los. Ich schlendere in der warmen Sonne durch die Strassen und habe irgendwie das Gefuehl, dass sehr viele westliche Touristen unterwegs sind und die Bettler seit letztem Jahr aufdringlicher geworden sind. Wie wird sich das nohc bis zur Olympiade 2008 steigern ? Irgendwie bleibt immer die Sehnsuch mal an einem Ort Urlaub zu machen, der noch urspruenglich, noch nicht touristisch erschlossen ist - vielleicht erfuellt sich die Hoffnung nun auf der Tibetreise....

20.Sept: Flug nach Lanzhou, der Hauptstadt der Provinz Gansu.
Fahre morgens noch schnell auf den Pan Jia Yuan, den Antikmarkt in Beijing. Die Auswahl ist riesig und ich hatte das Gefuehl, dass auch wirklich alte Stueck dabei waren - will jetzt natuerlich nicht drei Wochen irgendwelche Ming-Vasen mit mir rumtragen, darum verschiebe ich das Shopping auf den naechsten Besuch. Nachdem ich die Restlichen vier Reiseteilnehmer an Flughafen in Beijing getroffen habe, sind wir weiter nach Lanzhou (1554 m, 36N, 104E ) geflogen. Die Stadt war einst eine wichtige Station an der Seidenstraße, der Ort lag im Schnittpunkt der Handelsrouten Richtung Lhasa, Sibirien und Zentralchina. In dieser Industriestadt spuehrt man natuerlich noch mehr das kommunistische China - der westliche Einfluss ist gering.

 

21.Sept: Bingling Si
Nach dem Frühstück unternehmen wir einen Ausflug zu den berühmten Höhlen von Bingling Si. Sie liegen etwa 80 km von Lanzhou entfernt und bilden heute die Hauptattraktion der Stadt. Mit dem Boot erreichen wir die Grotten des 1000-Buddha-Tempels am Oberlauf des Huang He (Der Gelbe Fluss). Hier wurden aus den steilen Wänden der Jishi-Schlucht 183 Höhlen und Nischen herausgemeißelt, die im Inneren zahlreiche Skulpturen bergen. Die ältesten Kunstwerke entstanden Ende des 4.Jhts, aber durch die Ablagerungen des Flusses, liegen einige Hoehlen inzwischen unter dem Schlamm. Huebsch sind auch die Felsformationen bevor man mit dem Boot bei den Grotten anlegt. Ueberaschenderweise treffe ich hier meine Wohnungsnachbarin aus Shanghai, die hier mit einer Freundin unterwegs ist ! So klein ist die Welt... Kann uebrigens sehr die beruehmt Lanzhou-Rindfleisch-Nudelsuppe empfehlen, die es hier zum Abendessen gab. Armin aus Berlin erzaehlt, er hat hier mal in einer Kueche ein komplettes Kalb im grossen Suppentopf liegen gesehen - nur die Beine sahen noch oben raus...

22.Sept: Xiahe
Wir fahren bei blauem Himmel und Sonnenschein nach Xiahe (2900 m), einem kleinen, von Hui, Han Chinesen und Tibetern bewohnten Ort, der uns als Ausgangspunkt für den Besuch des Klosters Labrang dient. Zusammen mit den Klöstern Drepung, Ganden, Sera und Tashilunpo in Zentraltibet sowie Kumbum in der heutigen Provinz Qinghai gehört Labrang zu den großen tibetischen Ge-lugpa- Klöstern (gelug bedeutet tugendreich). 1708 gegründet, wuchs Labrang (der Name bedeutet „Haus des Lama“) bald zu einer Klosterstadt heran: Ihre zahlreichen ein- und mehrstöckigen Gebäude mit weißen und roten Mauern füllen das weite Tal zu Füßen kahler, hoher Bergketten. Auffallend ist das goldgelb leuchtende, geschwungene Dach der großen Gebets- und Versammlungshalle, in der jeden Morgen der Chor der Mönche ertönt. In 6 Fakultäten kann u.a. Medizin, Astonomie, Esoterik studiert werden. Schüler, die kultische Tänze erlernen, proben manchmal im Freien - für Besucher sicher ein Erlebnis! Auch heute pilgern Nomaden aus den Weiten Amdos zu den Heiligtümern der Klosterstadt, opfern Gerste und Butter, bringen Khadaks (weiße Seidenschals) dar und umwandeln, tief in Gebete versunken, Gebetszylinder drehend, im Uhrzeigersinn die heiligen Stätten.

23.Sept: Ueber Tongren nach Xining
Eine lange, doch abwechslungsreiche Fahrt über Tongren (2400 m) nach Xining liegt vor uns, wir sind den ganzen Tag unterwegs. Kahle, braun- und ocker-farbene Hügel umgeben das in einem Tal liegende Städtchen Tongren. Auf den Feldern gedeihen Kartoffeln und Weizen. In der Umgebung von Tongren gibt es kleine, von Baumgruppen beschirmte Dörfer. Jedes hat einen kleinen Tempel oder ein Kloster, die meisten sind über 200 Jahre alt. Als traditionelle Stätte tibetischer Kunst zieht Tongren noch heute Künstler an. Es heißt, die Mönche des lamaistischen Klosters Wutong/Wutun Si (17.Jh.), seien alle begabte Maler und Bildhauer. Wir legen eine kurze Besuchspause bei Wutong Si und Longwu Si (Si = Kloster), dem ältesten tibetischen Kloster Amdos, ein. Das Wutong Si Kloster war urspruenglich an diesem Tag fuer Gaeste geschlossen, weil eine grosser Lama Untericht gab. Durch etwas Glueck kam wir dann aber doch in den Vorhof, wo hunderte Glaeubige den Worten lauschten - beiindruckend Atmosphaere, aber es war nciht ganz einfach Fotos zu machen. Danach ging es durch weites, einsames Weideland und über den 3650 m hohen Qing-Sha-Pass bis nach Xining (2260 m), der Hauptstadt Qinghais.

24.Sept: Koko Nor
Steigen heute vom Bus auf zwei Gelaendewaegen um, weil das Gelaende schwieriger wird. Leider bleibt auf dem Fahrten auch nicht viel Zeit um Landschaftsfotos zu machen. Die ersten Yaks tauchen auf. Unterwegs zum Koko Nor ( Blauer See, der grösste in China) besuchen wir das Kloster Kumbum Dschamba Ling, einer der heiligsten Plätze auf asiatischem Boden. Mit dem Bau des Tsongkhapa (1357-1419) gewidmeten Klosters wurde 1560 begonnen. Nach Fertigstellung wurde es noch oft erweitert, so dass die Anlage während ihrer Blütezeit 52 Hallen und Tausende von Gebets- und Meditationsräumen sowie Mönchszellen umfass-te. Bei den 8 weiß gekalkten Chörten (die für die 8 bedeutenden Stationen im Leben Buddhas stehen) betritt man die Anlage. Tibetischer Überlieferung nach soll an der Stelle, wo Tsongkhapa zur Welt kam, ein Sandelholzbaum gewachsen sein, auf dem später, durch seinen Einfluss, überall auf den Blättern tausendfach die Bilder Buddhas erschienen. Der Wunderbaum befindet sich jetzt in einem reich geschmückten Chörten im Inneren des Gol-denen Tempels, der das zentrale Heiligtum Kumbums bildet. Berühmt ist das Kloster auch für seine bunt bemalten Skulpturen aus Yakbutter, die für bestimmte Klosterfeste von begabten Mönchen schon Wochen vorher angefertigt werden. Die Bedeutung von Kumbum Dschamba Ling wird auch dadurch hervorgehoben, dass der 14. Dalai Lama in einer benachbarten Gemeinde das Licht der Welt erblickte. Leider darf man in den Kloestern oft nicht fotografieren, aber manchmal gelingt es doch die Kamera heimlich auszuloesen. Wir setzen unsere Fahrt über den Sonne-Mond-Berg-Pass (3520 m), über den die große Karawane der Prinzessin Wengcheng im 7.Jh. nach Lhasa gezogen war, fort und übernachten in einem einfachen Gästehaus am See. Heute heißt der See chinesich Qinghai = Blaues Meer, tibetisch Tso Ngombo = Blauer See. Die bekannte Version Koko Nor = Blauer See stammt aus dem Mongolischen.

25.Sept: nach Madoi
Heute geht es hoch nach Madoi (4300 m), wo selbst im Sommer Schnee keine Seltenheit ist (etwa 460 km Fahrt). Im Osten unseres Etappenziels erhebt sich der Amnye Machen, der heilige Berg der Golok Nomaden, der die ganze Region beherrscht. 18 eisbedeckte Fünf- und Sechstausender gehören zu diesem gewaltigen Gebirgsstock, dessen Hauptgipfel 6282 m Höhe erreicht. Leider ist das Wettre heute schlecht, so dass wir nicht viel von den Bergen sehen koennne. Auf den Hochweiden lassen die Golok-Nomaden ihre Yak- und Schafherden grasen. Wir besuchen zweimal spontan Familien in Ihren Zelten, was mich sehr beindruckt. Sie sind sehr freundlich (die Hunde nicht) und bieten uns Buttertee und Joghurt an. Zwischendurch geraten wir in einen heftigen Hagelsturm. Nach der Ankunft in Madoi beziehen wir unsere Zimmer in einem sehr einfachen Gästehaus. Leider wirkt sich jezt meine Erkaeltung bei diesen Hoehen so auf meine Athemwege aus, das dich die ganze Nacht fast nciht schlafen kann - habe immer wieder das Gefuehl zu ersticken.

26.Sept: nach Yushu
Morgens erwachen wir bei nebeligen Wetter, der aber ploetzlich aufreist und uns einen wunderschoenen Tag beschert. Auf dem Weg nach Yushu (3700 m) überqueren wir den dort noch kschmalen Gelben Fluss, wo ich ein bischen Sand mitnehme und später den über 5000 m hohen Bayankala Pass. Der gleichnamige Gebirgszug trennt Amdo vom südlich gelegenen Kham und bildet die Wasserscheide zwischen Gelbem Fluss (Huang He/Machu) und Yangtze (Drichu). Östlich der Berge befindet sich das Einzugsgebiet des Gelben Flusses, westlich der Berge strömen die Gewässer dem Goldsandfluss (Jinsha Jiang), wie der Oberlauf des Yangtze genannt wird, zu. Wuerde ich mich hier in ein Boot setzen, kaeme ich fast 6000km spaeter in Shanghai an (vorausgesetzt ich wuerde u.a. die wilde Tiger-Sprung-Schlucht ueberleben, was noch Weningen gelungen ist) Leider darf man in China grosse Fluesse mit Bruecken nicht fotografieren, weil sie militaerisch sensibel sind. Seen säumen streckenweise unseren Weg durch die einsame Landschaft baumloser Hochflächen und Bergketten. Wir finden ein neues Kloster, in dem vor tausende Gebetsfanen wehen und die Kameras ein Bild nach dem anderen machen. Spaeter besuchen wir wieder sehr freundliche Nomaden, bei denen sich eine Nonnen um das erst einen Monat alte Baby kuemmert. In der Bezirkshauptstadt Yushu übernachten2 Tage in einem einfachen Hotel.

27.Sept: Yushu
Der Tag stand uns für den Besuch verschiedener Klöster zur Verfügung. Yushu und Umgebung gilt als eines der letzten Zentren der nicht reformierten Schulen des tibetischen Buddhismus. Jiegu, Longxi und das Kloster der Prinzessin Wengcheng stehen auf unserem Programm. Der Name der Prinzessin Wengcheng ist eng mit der berühmten goldenen Buddhafigur des Jowo Sakyamuni verknüpft, die heute das zentrale Heiligtum des Jokhang von Lhasa, Tibets heiligstem Tempel, bildet. Die Prinzessin brachte die Statue 641 als Mitgift nach Tibet, als sie König Srongtsen Gampo heiratete. Unter dem Einfluss seiner buddhistischen Ehefrauen bekannte sich Srongtsen Gampo zum Buddhismus und erhob ihn zur herrschenden Religion, weswegen er als „Religionskönig“ In die Geschichte Tibets eingegangen ist. Beiindruck hat mich auch die riesige Mani-Mauer, auf der angeblich ueber 2.3Mrd Steine liegen. Wollte hier urspruenglich einen schoen gravierten Stein kaufen, aber leider waren alle neuen ziemlich lieblos gefertigt und oft kitschig bunt bemalt. Anderseits hatte ich Respekt vor den schonen, alten Steinen auf der Mauer und so habe ich dort natuerlich keinen weggenommen.

28.Sept: nach Sershui
Wieder im Fahrzeug geht es auf schwieriger Piste nach Shiqu (Serxu?). Insgesamt sind 150 km zu bewältigen, doch legen wir unterwegs auch eine Pause ein und das Kloster Sershul besuchen. Das große, von etwa 800 Mönchen bewohnte Gelugpa-Kloster liegt in-mitten einer weiten, hügeligen Landschaft auf über 4000 m Höhe. Nachdem sich herausstellte, dass ein Taiwanese hier ein neues Gaestehaus gebaut hat, aenderten wir unseren Plan und uebernachteten hier, anstatt weiter nach Shiqu zu fahren. Derzeit wird das ganze Kloster neu renoviert bzw wieder aufgebaut, nachdem es waehrend der Kulturrevolution von den Chinesen zerstoert wurde.

29.Sept: Manigango
Heute steuern wir Manigango, einen Verkehrsknotenpunkt im Grasland von Derge an (190 km). Weil wir im Kloster uebrnachtet haben muessen wir schon frueh los, geniessen dadurch aber auch den schoenen Sonnenaufgang. Eine kleine Wanderung (etwa 3 km) zum Kloster Dzochen unterbricht unsere Fahrt. Das Kloster liegt versteckt in einem wunderschönen, von verschneiten Gipfeln über-ragten Tal in etwa 4020 m Höhe. Dzochen, gegründet Ende des 17. Jahrhunderts, gehört zu den größten Klöstern der Nyingma Schule in Kham und ist eine beliebte Pilgerstätte, bekannt auch für seine Meditationsklausen. Mittag machen wir ein Picknick ueber einem gruenen Tal ...unten weiden Yaks am Fluss und blauer Raquch steigt aus dem Nomadenzelten auf. Übernachtung in einem einfachen Gästehaus.

30.Sept: nach Derge
Wir nähern uns Dege (Derge), 110 km von Manigango entfernt. Die Stadt wird oft als kultureller Mittelpunkt von Kham betrachtet. Dege zählt noch heute mehr Tibeter als Chinesen zu seinen Bewohnern. Wir folgen einer rauen Hochgebirgsstraße und unternhemen am Xinlu, einen sehr schönen, als heilig verehrten Gletschersee, und den Vogelberg (Chola Shan) eine kleine Wanderung. Treffe im Dege Tony, dem Chef vom Cotton Club und Plant Shanghai, wo wir oft zum Essen gehen ...wieder kleine Welt. Bekannt ist Dege für seine 250 Jahre alte Druckerei, einst die größte von ganz Tibet. Untergebracht ist die Druckerei in einem dreigeschossigen, imposanten, mit Fresken geschmückten Gebäude. Von einem Innenhof aus kann man den Tempel im Erdgeschoss, eine Kapelle im Obergeschoss und die Druckerei im 1. Stock betreten. Hier spielt sich der gesamte Druckprozess ab - von der Vorbereitung des Papiers über die Herstellung der Druckstöcke bis hin zum eigentlichen Druckvorgang.

1.Okt: nach Qamdo
Eine sehr lange und schwierige Fahrt nach Qamdo (3200 m), einer der größten Städte Osttibets liegt vor uns. Die unglaublich schlechte, sandige Strasse schein kein Ende zu nehmen und alle hoffen, dass die Wasserpumpe des Toyota, die seit gestern leckt durchhaellt. In grossen Hoehen schlaengeln sich die Serpentinen unablaessig auf- und ab. Zwischendurch schine Fotomotive (Drachruecken), aber wir muessen weiter...Erst als der Damala-Berg bewaeltigt ist, liegt Qamdo nach 12 Stunden schaukelnder Fahrt unter uns im Tal. Unterwegs besuchen wir eine Familie in Ihrem Holzhaus. Man baut hier eine Art von Blockhaeusern, die im Inneren sehr dunkel und russig sind. Da wir uns nun in der Provinz Tibet befanden und zudem noch in einem fuer Touristen nicht freigegebenen Bereich, mussten von unserem Reisefuerer erstmal die Formularitaeten bei der Polizei getaetigt werden. In den vorher beantragten Berechtigungsschreiben sind genau der Zeitraum und (!) die Ort fuer unseren Aufenthalt eingetragen - ohne das geht hier nichts ! Das

2.Okt: Qamdo
Da derzeit ein Festival in Qamdo stattfindet beschliessen wir eine weitere Nacht zu bleiben und nicht in Bangda zu uebernachten. Morgens besuchen wir eine Open-Air-Tanzvorfuehrung, wo wir fuer die Einheimischen und die Fernsehkamears leider mehr attraktiv waren als die eigentliche Show... Auch vom anschliessende Ringkampf liessen sich viele Tibeter durch unsere Anwesenheit ablenken. Anschliessend besuchten wir das auf einem Plateau über der Stadt liegende Kloster Qiangbalin, in dem heute etwa 700 Mönche leben. Im 15. Jh. von einem Schüler Tsongkhapas gegründet, gilt es als das älteste und eines der größten Gelugpa-Klöster von Kham. Im 20. Jh. wurde es leider mehrmals zerstört, doch einige Gebäude der ursprünglich das ganze Plateau bedeckenden Anlage wurden wieder aufgebaut. Sehr interessant fand ich die Kueche (fuer Frauen verboten) in der man sich ins Mittelalter zureuckversetzt fuehlt. Riessige, russige Toepfe, ueber Holzfeuer - von oben faellt ein schwacher Lichtrahl durch die Dachbalken auf den ueber den Ofen gelagerten Raeucherkaese. Im Kloster herrscht uebrigens ausdrueckliches Fotografierverbot. Abends hatte wir das Glueck, durch gute Beziehungen einer Hotelanbgestellten, die uns uebrigens den ganzen Tag durch bdie Stadt gefuehrt hat, an Karten fuer die Folkloreauffuehrung im oertlichen Theater zu kommen.

3.Okt: nach Markam
Um die verlorene Zeit auf dem Weg nach Markam (3700m) wieder aufzuholen, klingelte der Wecker heute schon um 5:20 und wieder standen uns 12 Stunden Fahrt bevor. Auf dem Weg sahen wir dann einen einsamen Wolf am Strassenrand auf uns blicken. Leider hatten wir auf einem der engen Gebirgsstrassen einen Uunfall mit einem Lastwagen, dessen Fahrer leider kein Geld hatte den Schaden zu bezahlen. Da half es auch nichts den armen Kerl 2 Stunden weiter in Markam auf die Polizei zu schleifen.

4.Okt: nach Dechen
Wir befinden uns in einer dicht besiedelten, fruchtbaren Region, die sich auf den Hochflächen zwischen Mekong und Yangtze erstreckt. Stattliche, meist mehrgeschossige Häuser aus weiß gekalkten Adobeziegeln sind typisch für diese Gegend. Leider bleibt wenig Zeit fuer Fotos, weil wir bis 12 Uhr eine Baustelle am Pass erreichen muessen, die taeglich nur kurz fuer Fahrzeuge offen ist. Morgens ist das Wettre schoen, zieht aber dann zu und es beginnt zu regenen. Südlich von Markam erreichen wir Dechen (Deqin ?). Der gleichnamige Bezirk umfasst das Tal des Mekong südlich von Tsakalho sowie die Bergkette Meili Xueshan...leider ist wegen den schlechten Wetter von den Bergen nichts zu sehen.

5.Okt: Meili Xueshan
Heute führt uns eine Wanderung zum Gletscher des Meili Xueshan. Es regnet , es ist kalt.... Der Berg Meili, ein (theoretisch) schöner, von 8 Gipfeln gekrönter Schneeberg, liegt im Grenzbereich Yünnan/Tibet. Der Kawagabo (Kawa Karpo), sein höchster Gipfel, zugleich die höchste Erhebung von Yünnan, ragt 6740 m in den Himmel. In Kham und Amdo werden diese weißen Berge mit Padmasambhava in Zusammenhang gebracht und verehrt, sie sind ein wichtiges Pilgerziel. Von Dechen fahren wir in etwa 2 Stunden zum Dorf Mingyong (2300 m), unserem Ausgangspunkt. Zu Fuß geht es nun weiter zum Tempel Taizi (Tempel des Prinzen; 2750 m), wo sich die Gletscherzunge befindet. Für die 7 km lange Strecke (700Hoehenmeter) benötigen wir rund 2 Stunden. Tallandschaften, Urwald und Gletcher - die kontrastreiche Landschaft dieser Tagesetappe beschert uns viele neue Eindrücke...das schoenste war aber die warme Dusche danach im Hotel.

6.Okt: Zhongdia, Shangri La
Leider auch heute morgen wieder Regen, tiefliegende Wolken und etwas Neuschnee auf den Bergen, doch als wir weiter ueber den Pass fuhren kam teilweise die Sonne raus. Als wir auf dem Weg nach Zhongdian an einem Kloster Halt machen, war ich schockiert: Ein ganze Horde professioneller Fotografen, eine weitere Crew die scheinbar fuer den VW Touareg filmten war vor uns ueber das Kloster uns seine Moenchen hergefallen! Ich weis nicht ob es daran lag, dass ich 2 Wochen lange keine Touristen gesehen habe, oder vielleicht fuehre ich mich ja beim Fotografieren auch so ruecksichtslos auf, aber ich fand das Szenario einfach abstossend. Wenn das die Zukunft des Tourismus in Tibet ist, dann bin ich froh noch vorher hier gewesen zu sein... Ich denke als reaktion schliessen die Tibetischen Kloester ihre Pforten in Zukunft entweder ganz, oder aber sie schlachten das Finanziell gnadenlos aus - beides waere traurig.
In der fruchtbaren Ebene des Gyeltang-chu, eines Nebenflusses des Yangtze, liegt unser Fahrtziel Zhongdian (ca. 3340). Die Stadt im Nordwesten von Yünnan trägt auch einen tibetischen Namen, Gyeltang Dzong. Zu ihren Bewohnern zählen Tibeter sowie Han Chinesen und mehrere Ethnien, wie die Bai, Hui und Naxi. Rund 7000 Pflanzenarten sollen in dieser Region gedeihen, darunter so seltene wie der Blaue Mohn und etwa 200 Rhododendron- Arten.

7.Okt: Shangri La
Als erstes besuchen wir das Kloster Sumsanling, auch Songzanlin genannt. Der vor 300 Jahren vom 5. Dalai Lama gegründete Klosterkomplex beherbergte noch 1958 rund 1300 Mönche des Gelugpa-Ordens. Nach der fast vollständigen Zerstörung durch die Chinesen (1959) begann ab 1982 der systematische Wiederaufbau des Klosters. Heute können wieder mehrere Hundert Mönche in den Gebetshallen ihre buddhistischen Übungen verrich-ten. Am Nachmittag unternehmen wir eine 5-stündige Wanderung zum Napa See im Grasland nordwestlich von Zhongdian. Vom Kloster Sumsanling aus wandern wir zunächst ein kurzes Stück entlang einer befahrbaren Piste (3 km). Danach sind wir abwechselnd durch Grasland, Steppe und Hügellandschaft etwa 12 km bis zum See unterwegs; wir halten uns in einer Höhe von 3300 m auf. Vom Napa-See fahren wir zurück nach Zhongdian.

8.Okt: Shangri La
Eine Ganztageswanderung führt uns zum Kloster Dabao in die Umgebung von Zhongdian. Nach einer kurzen Anfahrt wandern wir auch heute durch Steppe und hügeliges Gelände. Wir halten uns in Höhen zwischen 3300 und 3500 m auf, legen insgesamt etwa 20 km zurück und sind rund 7 Stunden auf den Beinen. Das Mittagessen findet bei einer Tibetischen Familie statt. Es gibt Buttertee, Joghurt, Brotfladen und selbstgemachten, geraeucherten Kaese.

9.Okt: nach Kunming
Von der Bergwelt nehmen wir nun Abschied und fliegen nach Kunming - Hauptstadt der chinesischen Provinz Yünnan, deren Name übersetzt „Südlich der Wolken“ bedeutet. Durch die geschützte Lage in einer fruchtbaren Ebene auf knapp 2000 m Höhe gelegen, herrscht hier das ganze Jahr über ein angenehmes Klima, weswegen Kunming auch „Stadt des ewigen Frühlings“ genannt wird. Außer Han-Chinesen leben in der Provinz Yünnan 21 verschiedene ethnische Gruppen. Nachmittags machen wir eine Stadtrundfahrt mit Besuch des Blumen- und Vogelmarktes.

10.Okt: Kumning / Shanghai
Frueh morgens Rueckflug nach Shanghai. Der Rest der Gruppe fliegt noch nach Beijing und morgen zurueck nach Deutschland.