Tibetreise im Mai 2005 (Seite 1von 3)
die naechsten Tage

 

Info: Die Fotos in diesem Bericht sind dokumentarisch und mit meiner kleinen Digitalkamera gemacht - auf die 'schoenen' Bilder muesst Ihr noch etwas warten ... Der Reise nach Tibet war ueberigens ein Trip nach Lijiang und Kunimng vorausgegangen, um mich u.a. an die Hoehe zu gewoehnen. Dafuer wird es einen eigenen Bericht gegeben.

Der Bericht ... Lhasa und Trekking zu unbekannten Kloestern:
von Harald Geiger

 

EIn kleiner Reisebericht ueber meine Trekkingreise nach Tibet, die ich zwischen 7. und 27.Mai 2005 unternommen habe. Der Fokus lag auf den Besuch von Lhasa und dem Trekking zu einigen unbekannten Kloestern. Kultureller Hoehepunkt war u.a. das Saga Dawa Fest in Shigatse. Wir uebernachteten bis auf ueber 5000m im Zelten und machten die Erfahrung, dass auch in diesem ariden Klima im Mai starker Schneefall keine Seltenheit ist...


7.Mai 2005

Kunming
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Lhasa

Der Wecker in meinem Hotelzimmer in Kunming laeutet schon um 5 Uhr morgens. Habe das Gefauehl, dass mir die Woche Aklimatisierung in den im Vergleich zu Shanghai schon relativ hoch gelegenen Staedten Lijiang und Kunming gut getan hat. Als ich das letzte mal in Osttibet unterwegs war, hatte ich ja doch Probleme mit der Hoehe.
Draussen ist es noch dunkel als ich meine grosse rote Reisetasche in den Kofferaum des Taxis wuchte. Hatte den Flug nach Chengdu schon so frueh gebucht, um rechzeitig die Reisegruppe in Lhasa zu treffen, doch gestern musste ich erfahren, dass meinen Anschlussflug nach Lhasa kurzfristig um 3 Stunden verschoben wurde ... das faengt ja gut an, doch ich lebe ja nicht erst seit Gestern in China und so schaffte ich am Flughafen in Chengdu durch Beharrlichkeit und nette Wort dann doch noch einen Platz auf dem angeblich total ausgebuchten frueheren Flug zu bekommen ... der dann nur zu 30% besetzt war! Nach der Landung in Gongkar, den 90 km von Lhasa im engen Tal des Yarlung Tsangpo entfernt liegenden Flughafen, wartet schon unser Tibetische Guide Tashi auf mich und will mich sofort mit einem extra fuer mich bereitgestellten Jeep alleine nach Lhasa fahren lassen. Das lehne ich dankend ab , weil ich nateurlich schon neugierig auf den Rest der Gruppe bin, der ja in Kuerze aus Kathmandu landen soll. War 'ne gute Idee, denn so habe ich schon mal Zeit mit Ihm und den anderen wartenden Guides zu quatschen und zu scherzen, wer nun welche langsam von der Gepaeckausgabe kommenden Langnase die naechsten Wochen bei Laune halten muss ... so scheinen z.B. Italiener hier nicht besonders beliebt zu sein, weil Sie sich anscheinend sehr arrogant zur lokalen Bevoelkerung verhalten.

 

Auf den 2 Stunden der Fahrt mit dem Bus zu unserem Hotel in Lhasa ( Dhood Gu Hotel) stellt sich dann sehr schnell heraus, dass neben meinen Freunden Frank und Mai Britt auch der Rest der 8 koepfigen Gruppe und die Reiseleiterin gut zusammenpassen und auf einen lustigen Urlaub hoffen lassen - das ist bei einer solchen, etwas belastenden Reise wichtig und ja auch der Grund dafuer, warum ich wiederholt den deutschen Veranstalter Hauser gewaehlt habe, bei dem sich nach meiner bisherigen Erfahrung immer Leute mit der etwa gleiche Wellenlaenge und Interessenslage melden.

 

Der erst abendliche Rundgang in Lhasa hinterlaesst offengesagt keinen besonders positiven Eindruck der Stadt an sich - hier ist eindeutig die Handschrift der Chinesen zu lesen, die viele alte Haeuser weggerissen haben und diese mit Ihrer Kachel- und Blauglasarchitektur ersetzten. Auch die vielen bettelten Menschen haben erstmal etwas Abschreckendes.


8.Mai

Lhasa

Bin morgens gleich auf die Dachterasse des Hotels um den Potala in den ersten Sonnenstrahlen zu fotografieren. Zwei volle Tage haben wir Zeit, um Lhasa zu erkunden. Alle Straßen der Altstadt führen zum Jokhang. Die Anlage stammt aus dem 7. Jahrhundert und beherbergt den Jobo Shakyamuni, die heiligste Buddha-Statue Tibets, zu der Gläubige aus allen Teilen des Landes strömen. Vor dem Gebäude flattern bunte Gebetsfahnen im Wind und aus großen Lehmöfen steigt Rauch von Wacholderzweigen zur Beschwichtigung der Götter auf. Der Jokhang wird auf dem Barkhor umwandelt. Alte und junge Pilger - unter ihnen Mädchen

 

mit zu 108 Zöpfen geflochtenem Haar und Tibeterinnen mit schönem Türkis- und Korallenschmuck - folgen dem „Mittleren Rundgang“ im Uhrzeigersinn. Drinnen herrscht teilweise ziemliches Getraenge und ueberall sieht man PIlger mit in Thermoskannen gefuellter Butter, die in die entsprechenden Kerzen gekippt wird. Nachmittags besuchen wir die Klosteranlage Sera (Wildrosen-Hof), die zusammen mit Drepung (Reishaufen) zu den bedeutendsten Gelugpa-Klöstern Tibets zählt. Gegründet wurden diese beiden Zentren des Studiums der buddhistischen Lehre von Schülern des Gelugpa-Ordens (gelug bedeutet tugendreich). Als geistiger Vater dieser Schule gilt der 1357 geborene Gelehrte Tsongkhapa.

 

Sera wurde unterhalb einer Klause errichtet, in der Tsongkhapa mehrere Jahre als Einsiedler gelebt haben soll. Leider fing es nach unserer Ankuft bald an etwas zu regnen und auch die Argumentationsuebungen der Moenche fiel an diesem Tag aus. Spaeter kam dann doch nochmals die Sonne raus und so konnten wir zureuck am Jokham nochmals schoen die Aktivitaeten der Pilger beobachten.


9.Mai

Lhasa

Frueh morgens, noch bevor der grosse Touristen und Pilgerstrom kam machten wir uns auf den Weg zur Besichtigung des berühmten, auf einem 130 m hohen Felssockel thronenden Potala-Palastes. Er wurde Mitte des 17. Jhts. vom 5. Dalai Lama Lobsang Gyatso erbaut und von dessen Nachfolgern erweitert. Der Komplex soll an die 1000 Räume
besitzen, darunter eine Vielzahl prunkvoll ausgestatteter Kapellen. Auf dem „Eisenberg“ (Cagpori), gegenüber dem Potala-Palast, erhob sich einst die Tibetische Medizinschule, die Ausbildungsstätte tibetischer Ärzte. Das Gebäude ist nur noch auf alten Fotos zu bewundern. Wir hatten strahlend blauen Himmel ! Spaeter fuhren wir in das Kloster Drepung und anschliessend nochmals zurueck nach Sera um den argumentierenden Moenchen im Klostergarten zuzusehen.


10..Mai

Lhasa
Wir machen einen Ausflug zum Kloster Ganden (das Freudenvolle, 4.240 m). Vor den Verwüstungen während der Kulturrevolution hatte Ganden die Größe einer kleinen Stadt, rund 200 stattliche Gebäude schmückten den breiten, steilen Berghang. Ein Großteil des Klosters wurde originalgetreu wieder errichtet. Mehrere Hundert Mönche leben inzwischen
hier und können die religiösen Traditionen weiter pflegen. - Anders als Drepung, das einst die führende politische Rolle unter den Gelugpa-Klöstern inne hatte, entwickelte sich das von Tsongkhapa Anfang des 15. Jhts. gegründete Ganden zum spirituellen Zentrum der Gelbmützen-Schule. Den Mittelpunkt der Klosterstadt, zugleich den heiligsten von Pilgern
aufgesuchten Bereich, bildet Tsongkhapas Grabmal, das sich in einem rotfarbenen, hohen Gebäude mit vergoldetem Dach befindet. Wir hatten das Glueck den Moenchen zusehen zu koennen und sind anschliessend die Kora um den Berg gelaufen. Abendessen inklusive touristischer Folkloretanzauffueherung ... nicht mein Geschmack.

11.Mai

Lhasa
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Reting

Morgens Lhasa mit 3 Jeeps in Richtung Norden zum Kloster Reting verlassen. Bekommen dabei einen ersten Eindruck der Strassenverhaeltnisse ausserhalb Lhasas, welche sich mit meinen Erfahrungen aus Osttibet decken. Nach etwa 180 km und einer Fahrtzeit von 6 Stunden erreichen wir unser Ziel auf 4200m Hoehe ... die Luft wird schon duenn und der erste Drang nach einem Foto vom Dach des Klosters endet nach den erste 10 Stufen der Treppe... Wir treffen hier unsere Trekkingmannschaft ( Nepalische Sherpas inkl. Koch) und bauen zusammen die Zelte auf. Leider scheinen die Moenche und/oder deren Besucher nicht sehr viel vom Umweltschutz zu halten, den der eigentlich so

 

schoene Wacholderwald gleicht einer Muellhalde! Leider einer ein Anblick den wir waehrend unsere Reise noch oefters haben werden.
Das Kloster Reting liegt inmitten eines ausgedehnten, mystischen Wacholderwaldes, dessen Baumbestand wir auf etwa 400 Jahre alt geschaetz haben. Die Geschichte sagt, dass seine Gründung (1057) auf Drom Tönpa, Atishas bedeutendsten Schüler, zurückgeht. Aus seinen zu Boden gefallenen Haarsträhnen - heißt es - soll der Wald gewachsen sein. Drom Tönpa und seine Nachfolger entwickelten die geistigen Grundlagen des Kadampa-Ordens (Geistiger-Rat-Orden). Nachdem Tsongkhapa längere Zeit hier weilte, ging das Kloster vom Kadampa- zum Gelugpa-Orden über. Der letzte Reting Rinpotsche diente dem 14. Dalai Lama als Regent. Wir besichtigen abends die neu erbaute Versammlungshalle und umrunden den gesamten Klosterkomplex mit seinen zahlreichen Chörten auf dem Lingkhor (äußerer Umwandlungsweg; ca. 1 Stunde).


12.Mai

Reting

Die erste Nacht im Zelt war kalt, aber der Daunenschlafsack waermt gut. Beieindruckend war der unglaubich klar Sternenhimmel ! Sind dann morgens durch den schoenen Wald 250m Hoehenmeter zum Nonnenkloster Sameling aufgestiegen. Man merkt die Hoehe nun deutlich! Als ich unseren Guide Tashi fragte, wie oft es hier schneit, meinte er, nur im November und Dezember... werde mich auf diese Aussage spaeter mal wieder beziehen... Das Kloster war dann sehr interessant, weil die Nonnen sichtlich ueber den seltenen Langnasenbesucht erfreut waren. Wir durften bei den Zeremonien teilnehmen und sogar fotografieren. Nachmittag hinunter zum Flusstal des Kyichu gegangen.


13.Mai

Reting
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Namtso

Wache noch vor Sonnenaufgang in meinem Schlafsack auf und habe ein komischen Gefuehl ... irgendwas ist anders, denn das Gebell der Hunde klingt so gedaempft. Will den Reissverschluss meines Zeltes oeffnen und schon nach wenigen Zentimetern faellt mir Schnee entgegen ! Ca. 10cm Neuschnee hat uebernacht die Landschaft komplett verwandelt und das im Mai, wo es doch nur im November/Dezember schneit ! Beim Fruehstueck wird entschieden, dass wir so nicht abbauen und losfahren koennen, doch um 9 Uhr kommt ploetzlich die Sonne durch und taucht die Landschaft und speziell auch den schoenen Wald in ein traumhaftes Licht. Bin natuerlich sofort mit meiner Kamara ein bischen den Berg hoch um zu fotografieren und als ich zureuck ins Lager kam waren die Zelte schon zusammengepackt. Ein längerer Fahrtag stand uns heute bevor. Vom Kloster Reting folgen wir zunächst einer kaum befahrenen Seitenstraße, ehe wir auf die Hauptstrecke, den Tibet Qinghai Highway, biegen.

 

Über Damxung und den 5.150 m hohen Lhachen La (La = Pass) führt die Route zum Namtso oder Tengri Nor (Himmelssee; ca. 4.600 m), Chinas zweitgrößtem Salzwassersee. Er ist fast viermal so groß wie der Bodensee! Wir durchqueren das Weideland am See, bis wir unser Ziel, die Halbinsel Tashi Dorje, erreichen.

 

Von hier bietet sich uns ein grandioser Blick über den See und auf die schneebedeckten Gipfel der über 7.000 m hohen Nyenchentangla-Kette. Diese eindrucksvolle Landschaft ist der Schauplatz von Sagen und Legenden. Eine davon erzählt vom mächtigen Berggott Nyenchentangla und der Seegöttin Namtso, die als Ehepaar über unermessliche Reichtümer und große Macht verfügen sollen. Die Grasländer der weiteren Umgebung, heißt es, seien ihre Weideländereien und die umgebenden Berge ihre Diener, die die Aufgabe hätten, die göttlichen Pferde, Yaks, Ziegen und Schafe zu hüten, ihre Hunde zu füttern und ihre Gerste zu mahlen. Wir koennen nach unserer Ankunft gerade noch die Zelte aufbauen, dann brach ploetzlich ein Schnee-Graupelsturm ueber uns herein.


14.Mai

Namtso

Heute nacht war es sehr kalt, winding und hat wieder leicht geschneit - so wird der Drang nach dem Toilettenzelt und damit das Verlassen des warmen Schlafsackes bis zum Letzten hinausgezoegert, aber wenn man wie fuer diese Hoehen empfohlen 3-4 Liter Fluessigkeit pro Tag aufnimmt laesst sich das kaum vermeiden. Wir erkunden morgens die beiden Hügel Tashi Do Thunjhe (Glückverheißender Felsen) und Tashi Chhungchhung (Kleiner Glücksfelsen), die zusammen die Halbinsel Tashi Dorje bilden. Über Jahrhunderte zog dieser Platz Einsiedler an, die die umliegenden Höhlen bewohnten. Leider haben die meisten Hoelenbewohner inzwischen Ihre Behausung

 

verlassen und sind vor den heranstuermenden Touristen gefluechtet - denn in mehreren neuen Restaurantzelten und Blecht-Gaestehaeuser hofft man auf das grosse Geld ... Auf dem Umrundungsweg (tib. Kora) um die heiligen Hügel wandern wir, vorbei an Manimauern und Steinmännchen, durch eine phantastische Erosionslandschaft. Nachdem der See bis vor ein paar Wochen noch gefroren war, findet man am Ufer sehr viele bizarre, durch den Wind aufgetuermte Eisschollen. Habe am nachmittag einen Franzosen auf dem kleinen

 

Gleucksfelsen getroffen, der in Singapur lebt und von dort erst gestern in Tibet angekommen ist .... und heute schon auf 4600m steht !!! Total verrueckt und er sah auch wirklich nicht besonders fit aus !


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